Dieser Text ist Teil der Diplomarbeit von Benjamin Wurster »Über Inspiration. Anregungen und Gedanken«. Alle Texte dieses Projektes werden unter der Kategorie Diploma veröffentlicht. Wer einen Überblick über die gesamte Arbeit bekommen möchte, beginnt man am besten beim Vorwort. Dieser Text gehört zum zweiten Kapitel: Inspiration.

Inspiration setzt sich aus den beiden lateinischen Begriffen in und spirare zusammen. Das Wort in bedeutet so viel wie »hinein« und spirare bedeutet »hauchen« oder »atmen«. Inspiration kann also wörtlich mit »Einhauchen« oder »Hineinhauchen« übersetzt werden. Im poetischen Zusammenhang wird häufig in der englischen Sprache – seltener in Deutsch oder anderen europäischen Sprachen – der Begriff »Afflatus« als Synonym zu Inspiration verwendet. Dieser Begriff setzt sich aus den lateinischen Wörtern ad und flatus zusammen, welche mit »an« und »hauchen« übersetzt werden können. 

Die Bedeutung dieses Ein- oder Anhauchens versteht man, wenn man sich den ursprünglichen Gebrauch des Wortes anschaut: Eine höhere, übernatürliche Macht oder eine Gottheit haucht ihren Atem – also einen originellen Gedanken oder einen bestimmten Auftrag – in das Bewusstsein der entsprechenden Person ein. Im ursprünglichen Sinn ist die Quelle der Inspiration also immer ein höheres göttliches Wesen. Diese Lehre hat bei uns im Westen tiefe Wurzeln in der hebräischen und in der hellenistischen Kultur. Aus diesen beiden Kulturen entstand teilweise später das Christentum, was das Konzept bis in unsere heutige Welt übertragen konnte und dadurch bei uns als eine Form der Inspiration immer noch vorherrscht. 

Das Konzept, etwas durch einen Impuls einer externen Quelle zu produzieren, hat sich über die Jahre hinweg gehalten, auch wenn die Auswahl der möglichen Quellen deutlich erweitert wurde. Heute steht hinter dem Begriff nicht mehr zwingend ein übernatürliches Wesen; man kann im heutigen Sprachgebrauch durch die einfachsten Alltagssituationen und die banalsten Gegenstände inspiriert werden. Der US-amerikanische Jazzpianist Erroll Garner sagte einmal:

»Ich bekomme meine Ideen überall her. Von einer starken Farbe, dem Rauschen des Wassers oder Windes oder dem Aufblitzen von etwas Kühlem.«

Mark Beeman und John Kounios: Das Aha!-Erlebnis. Wie plötzliche Einsichten entstehen und wie wir sie erfolgreich nutzen, München: Deutsche Verlags-Anstalt 2015, S. 141

Und auch Thomas und Martin Poschauko schreiben in Nea Machina:

»Und irgendwann trat ein Punkt ein, an dem plötzlich alles zu Inspiration wurde: Die Ideen flogen uns quasi wie von selbst zu. Ohne uns großartig darum bemühen zu müssen, fanden wir, egal wohin wir schauten, genau die Inspiration, die wir gerade brauchen konnten.«

Thomas Poschauko und Martin Poschauko: Nea Machina. Die Kreativitätsmaschine. Next Edition, Mainz: Verlag Hermann Schmidt 2013, S. 200

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