Dieser Text ist Teil der Diplomarbeit von Benjamin Wurster »Über Inspiration. Anregungen und Gedanken«. Alle Texte dieses Projektes werden unter der Kategorie Diploma veröffentlicht. Wer einen Überblick über die gesamte Arbeit bekommen möchte, beginnt man am besten beim Vorwort. Dieser Text gehört zum vierten Kapitel: Eingebung.

Um das Wesen Gottes zu verstehen, muss man erst ein bisschen tiefer in die Bibel eintauchen. Das »Buch der Bücher« – wie die Bibel wegen ihrer sechsundsechzig einzelnen Schriften auch genannt wird – teilt sich in das Alte und das Neue Testament auf. Das Alte Testament enthält insgesamt neununddreißig Bücher und berichtet von der Schöpfung der Erde, der Geschichte des Volkes Israel und Gottes Wirken an und durch diese Menschen. Der jüdische Glaube hat ebenfalls das alte Testament als Grundlage, wobei es dort Tanach genannt wird. Das neue Testament beinhaltet die restlichen siebenundzwanzig Bücher der Bibel und erzählt vom Leben Jesu Christi, seinem Wirken auf der Erde und den Erfahrungen der ersten christlichen Gemeinden im Mittelmeerraum. 

Der US-amerikanische Buchautor Lee Strobel behandelt in seinem Buch Der Fall Jesus die häufigsten Einwände gegen das Christentum und interviewt dazu viele Wissenschaftler und Experten. Zum Ende seines Buches fasst er Gottes Eigenschaften kurz zusammen:

»Das Alte Testament versorgt uns mit zahlreichen Details über Gott, die uns ziemlich genau beschreiben, wie er ist. Gott wird beispielsweise als allgegenwärtig oder als überall im Universum existierend dargestellt; als allwissend oder alles wissend, was man je wissen kann; als allmächtig, als ewig oder als über der Zeit stehend und gleichzeitig als Quelle der Zeit; als immer Derselbe oder als unveränderbar in seinen Eigenschaften. Er ist liebevoll, heilig, weise und gerecht.«

Lee Strobel: Der Fall Jesus. Ein Journalist auf der Suche nach der Wahrheit, Asslar: Gerth Medien GmbH 2016, S. 230

Ein Punkt, der zum einen im Bezug auf Gottes Wesen grundlegend wichtig ist, der aber zum anderen auch eines der Dinge ist, die mit am schwierigsten zu verstehen sind, ist die sogenannte Dreieinigkeit. Der Gott der Bibel ist drei Personen in einer einzigen vereint; ein Gott in drei verschiedenen Formen, aber trotzdem nur ein einziger Gott. Diese drei Personen sind Gott der Vater, Gott der Sohn (Jesus Christus) und Gott der Heilige Geist. Um das komplexe Konzept der Dreieinigkeit verständlich erklärbar zu machen, haben schon viele Menschen versucht, passende Metaphern dafür zu finden. Beispielsweise wird die Trinität oft mit den drei Aggregatzuständen von Wasser verglichen, welche ja bekanntlich fest, flüssig und gasförmig sind, trotzdem aber immer Wasser sind. Francis Chan, US-amerikanischer Pastor und Buchautor, warnt in Der unterschätzte Gott vor dieser Art von Vergleichen. Er schreibt:

»Während Vergleiche […] hilfreich sein können, um bestimmte Aspekte von ihm zu verstehen, sollten wir uns davor hüten zu denken, dass unsere Analogien in irgendeiner Weise seine Natur erfassen können.«

Francis Chan: Der unterschätzte Gott. Den Heiligen Geist neu entdecken, Ingolstadt: LUQS Verlag 2016, S. 48

Mit menschlichen Mitteln, logischem Verständnis und natürlichen Erfahrungen kann man diese übernatürliche, komplexe Art Gottes nicht begreifen. Und erklären erst recht nicht. 

Sehen wir uns einmal die drei Personen der Dreieinigkeit genauer an.

»Am Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde«, heißt es im ersten Satz der Bibel.

Die Bibel (NLB), 1. Mose 1,1

Auch zum Zeitpunkt der Schöpfung war Gott schon Vater, Sohn und Geist, der Sohn Jesus Christus wartete aber noch auf seinen großen Auftritt auf der Erde und der Heilige Geist war auf der Erde nur in auserwählten Menschen aktiv. Dazu aber später mehr. Die ersten Menschen, die auf der Erde lebten, waren Adam und Eva. Adam und Eva verbrachten viel Zeit mit Gott und erzählten ihm alles von Angesicht zu Angesicht. Damals war es ganz normal und sehr einfach, Gottes direkte Stimme zu hören, denn die Menschen lebten in tiefer Gemeinschaft mit Gott. In diesem perfekten Umfeld hatte Gott ihnen nur eine einzige Regel gegeben, die sie einhalten sollten, nämlich, dass sie die Frucht des einen Baumes in der Mitte des Gartens nicht essen sollten. Natürlich konnten die Menschen der Versuchung nicht widerstehen und aßen von der Frucht (weil sie eben menschlich waren), trotz ihres Wissens über die anstehenden Konsequenzen. Der Verstoß gegen die eine Regel, die sie bekommen hatten, brachte die Sünde (»Trennung von Gott«) auf die Erde und schlug einen tiefen Graben zwischen Mensch und Gott. Das Fehlerhafte der Menschen passte von diesem Zeitpunkt an nicht mehr zur perfekten Art Gottes, deshalb konnten sie nicht mehr in seiner Gegenwart bleiben. 

Gott wollte aber nicht bis in alle Ewigkeit auf das Zusammensein mit Menschen verzichten und führte deswegen viele Opferrituale ein, die ausgeführt werden mussten, um die menschlichen Fehler wieder auszugleichen. Tiere mussten an Stelle von Menschen sterben, damit der Weg zu Gott wieder frei und Sünden vergeben werden konnten. Diese komplizierten Rituale waren lange der einzige Weg, wieder in die Gegenwart Gottes zu kommen. Gott hatte aber einen Plan dies zu ändern. Über mehrere Jahrhunderte hinweg kündigte Gott immer wieder durch verschiede Personen an, dass irgendwann einer kommen würde, der ein einziges Mal stellvertretend für alle Menschen sterben, die vergangene und die zukünftige Sünde der Welt auf sich nehmen und den Weg zu Gott wieder freimachen würde. Viele verschiedene Personen bekamen über hunderte Jahre hinweg Eingebungen von Gott, die diesen sogenannten Messias (»Gesalbter«) genau beschrieben, und hielten diese in den verschiedenen Schriften der Bibel fest, damit er auf keinen Fall verwechselt oder verpasst werden konnte. Im Alten Testament gibt es über zweihundert dieser Voraussagen, die sich schließlich Jahrhunderte später alle in einer Person erfüllten: Jesus Christus. 

Gott der Vater sandte seinen Sohn Jesus auf die Erde, damit dieser den großen Plan erfüllen und die Schuld der Welt ein für alle Mal begleichen konnte. Jesus wurde ganz Mensch und blieb trotzdem Gott, verzichtete aber während seiner Zeit auf der Erde auf den Gebrauch seiner göttlichen Fähigkeiten. Mit ungefähr dreißig Jahren ließ sich Jesus taufen, und damit begann die Zeit seines öffentlichen Wirkens. In der Bibel lesen wir:

»Als er aus dem Wasser stieg, sah er, wie der Himmel sich öffnete und der Heilige Geist wie eine Taube auf ihn herabkam. Und aus dem Himmel sprach eine Stimme: ›Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich große Freude.‹«

Die Bibel (NGÜ), Markus 1,10–11

Jesus empfing bei seiner Taufe den Heiligen Geist, der ihn dazu befähigte, viele Menschen zu heilen und übernatürliche Wunder zu wirken. Nach ungefähr drei Jahren wurde Jesus unschuldig zum Tode verurteilt und grausam hingerichtet. Mit seinem Tod erfüllte sich aber Gottes Plan: Jesus selbst wurde das Opfertier, das an Stelle der Menschen starb, um den Weg zu Gott wieder frei zu machen. Mit seinem Tod und der  anschließenden Beerdigung war die Geschichte aber noch nicht vorbei. Gott der Vater erweckte Jesus nach drei Tagen wieder zum Leben und besiegte dadurch den Tod für alle Zeiten. Erst durch diese Auferstehung macht der christliche Glaube Sinn, denn was würde es nützen, an einen Gott zu glauben, der tot ist und nicht tatsächlich im persönlichen Leben eingreifen kann?

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