Was ist Inspiration? – Eine Einführung

Inspiration – Ein Wort, das jeder benutzt, und doch eines, mit dem sich kaum jemand näher beschäftigt. »Dieses neue Buch hat mich dazu inspiriert, etwas in meinem Alltag zu ändern.« »Der Vortrag gestern Abend war total inspirierend für mich.« »Meine größten Inspirationsquellen sind immer noch die Bauhaus-Architekten und ihre Schüler.« Diese Sätze gehen sehr leicht von der Hand und werden ohne große Überlegungen beim Smalltalk ausgeplaudert. Wenn es dann aber einmal darum geht, eine Definition für den Begriff zu finden, wird das Ganze schon etwas schwieriger.

Der Duden umschreibt Inspiration unter anderem mit den Worten »schöpferischer Einfall«, »plötzliche Erkenntnis« und »Erleuchtung«. Inspiration sei außerdem eine »erhellende Idee, die jemanden, besonderes bei einer geistigen Tätigkeit, weiterführt«. Diese Definition ist aber meiner Meinung nach nicht ganz ausreichend.

Inspiration ist zum Beispiel auch der Einfluss der Medien, die täglich auf uns einströmen. Ob diese Einflüsse uns zu neuen Ideen führen, ist dabei zunächst einmal zweitrangig. Fakt ist, dass sie uns in irgend einer Form inspirieren – im Sinne von beeinflussen. Auch übernatürliche Eingebungen durch Wesen oder Mächte sind eine Form von Inspiration. Auch wenn diese Ereignisse durch die Naturwissenschaft (wohlgemerkt: Natur-Wissenschaft) nicht erklärbar sind, berichten trotzdem viele Menschen aus allen Teilen der Erde und aus jeder Glaubensrichtung davon. Sie dürfen in diesem Zusammenhang also auch nicht vernachlässigt werden.

Natürlich wird Inspiration aber in den meisten Fällen als erstes mit kreativen Menschen zusammen gebracht. Kreative Menschen inspirieren andere durch ihre schöpferische Arbeit. Diese Kreativen erschaffen anschließend wiederum etwas Kreatives, das dann wieder andere zu neuen Ideen inspiriert. 

Inspiration und Kreativität

Tatsächlich ist Inspiration nur ein sehr kleiner Teil des kreativen Schaffungsprozesses. Der US-amerikanische Wissenschaftler und Erfinder Thomas Alva Edison soll einmal gesagt haben, Kreativität sei zu neunundneunzig Prozent Transpiration und nur zu einem Prozent Inspiration. Laut Edison geht es also bei Inspiration nur um diesen einen sehr kurzen Moment, der als Anstoß dient, um eine Idee heranreifen zu lassen. 

Aber funktioniert Kreativität auch ohne Inspiration? Ich würde sagen: Nein!

Der kreative Schaffungsprozess kommt zwar oft auch ohne einen sogenannten Aha-Moment oder Geistesblitz aus, was aber nicht bedeutet, dass er ohne Inspiration – im Sinne von Einfluss – auskommt. 

Entgegen vieler Vorstellungen ist der Alltag eines Kreativen in den meisten Fällen viel weniger aufregend und cool, als er in den Medien dargestellt wird. Kreative Berufe sind eben auch nur Jobs, mit denen Menschen ihr tägliches Brot verdienen. Die anfallende Arbeit muss genauso erledigt werden, wie bei einem Banker oder einem Ingenieur – was in keinster Weise bedeutet, dass diese Berufe nicht kreativ wären. 

Trotzdem wird jeder Mensch im Alltag von verschiedensten Dingen inspiriert oder beeinflusst, welche später, bewusst oder unbewusst, in die kreative Arbeit einfließen. Jedes Gespräch, jedes Bild, jeder Artikel, der gelesen wird – alles wird aufgenommen, bewertet und entweder abgespeichert oder wieder verworfen. Jeder Eindruck muss aber immer zuerst in irgendeiner Form verarbeitet und geprüft werden.

Am aufregendsten – und wahrscheinlich auch am effektivsten – sind natürlich die Momente, bei denen es einem wie Schuppen von den Augen fällt. Sicher hat jeder schon einmal so einen Geistesblitz gehabt, als ihm plötzlich die Lösung für sein Problem in den Kopf schoss – zum Beispiel inspiriert durch einen belanglosen Satz in einer E-Mail. Das Herz fängt plötzlich an, schneller zu schlagen; Adrenalin breitet sich im Körper aus; die Gedanken springen von einem zum nächsten Punkt, sodass man kaum noch hinterherkommt. 

Inspirations­momente fördern

Die Frage ist also nicht, ob Kreativität ohne Inspiration auskommt. Die Frage ist eher, ob diese plötzlich auftretenden, aufregenden und relevanten Inspirationsmomente irgendwie gefördert und nicht dem puren Zufall überlassen werden können. 

Was wäre, wenn es eine Möglichkeit gäbe, jeden Tag zuverlässig und effektiv inspiriert zu werden? 

Ich glaube, dass wir deutlich mehr Originalität in allen kreativen Feldern sehen würden. Es würden nicht nur Abwandlungen von bereits bestehenden Mustern entstehen, sondern revolutionäre Ansätze; Technologischer Fortschritt stände an der Tagesordnung. 

Leider – oder vielleicht auch Gott sei Dank – sind diese bedeutsamen Inspirationsmomente aber eher schüchtern und können nicht zum Erscheinen gezwungen werden. Sie müssen vorsichtig angelockt werden, indem die eigene Umgebung an ihre Bedürfnisse und Vorlieben angepasst wird. Dazu muss man aber zunächst einmal verstehen, was Inspiration ist und wie sie funktioniert. 

Das Ziel dieses Blogs ist es, mit der Zeit einen möglichst umfassenden Wissensspeicher zum Thema Inspiration zu erarbeiten, von dem viele Menschen profitieren können.

Dieser Blog soll uns – dem Leser und mir als Autor – dabei helfen, den Inspirationsbegriff immer besser zu verstehen. Es geht darum, den eigenen Alltag, die Gewohnheiten und die Umgebung so zu optimieren, dass letztlich die Chance, inspiriert zu werden, immer höher wird. Dabei gibt es weder ein abgrenzbares Ziel noch einen optimalen Zustand, der erreicht werden kann. Es geht darum, sich stetig weiterzuentwickeln und von Zeit zu Zeit offener für echte, relevante Inspiration zu werden.

Sechs grundlegende Eigenschaften von Inspiration

In den Vereinigten Staaten wird seit ein paar Jahren am 31. Januar der Inspire Your Heart With Art Day gefeiert. Die sechs Worte im Namen dieses Tages, bieten sich perfekt dafür an, sechs grundlegende Wesenszüge von Inspiration hervorzuheben, und damit eine Grundlage zum Verständnis des Inspirationsbegriffs zu schaffen. 

1. Inspire – Eine kleine Begriffsgeschichte

Inspiration setzt sich aus den beiden lateinischen Begriffen in und spirare zusammen. Das Wort in bedeutet so viel wie hinein und spirare bedeutet hauchen oder atmen. Inspiration kann also wörtlich mit Einhauchen oder Hineinhauchen übersetzt werden. 

Die Bedeutung dieses Einhauchens versteht man, wenn man sich den ursprünglichen Gebrauch des Wortes anschaut: Eine höhere, übernatürliche Macht oder eine Gottheit haucht ihren Atem – also einen Gedanken oder einen bestimmten Auftrag – in das Bewusstsein der entsprechenden Person ein. Dieses Konzept findet man bei uns im Westen sowohl in der hebräischen, als auch in der hellenistischen Kulturgeschichte, woraus letztlich auch die drei großen, monotheistischen Weltreligionen entstanden sind.

2. Your – Inspiration ist persönlich

Es gibt bei Inspiration definitiv kein allgemein gültiges Grundrezept, das bei jedem gleich gut funktioniert. Viel zu viele persönliche Faktoren spielen in diesem Prozess mit hinein: die eigene Lebenserfahrung zum Beispiel, die Kultur und Familienverhältnisse, in denen man aufgewachsen ist, und das private Umfeld. Bei jedem funktioniert eine andere Sache besser oder schlechter als bei anderen. 

Es ist sicherlich kein Fehler von den Erfahrungen anderer zu profitieren und auszuprobieren, ob die selben Inspirationsquellen auch bei einem selbst funktionieren. Gerade große Künstler und Schriftsteller hatten häufig Rituale, die sie täglich praktizierten und die sie immer wieder zu großen Ideen inspirierten. Interessanterweise findet man dort auch viele Überschneidungen und ähnliche Gewohnheiten, die von vielen unabhängig voneinander angewandt wurden. 

Auf der Suche nach einer persönlichen Inspirationsquelle und beim Ausprobieren verschiedener Rituale, sollte man allerdings nie den Blick für das große Ganze verlieren. Es geht nämlich nicht darum in seinen eigenen Gedanken zu versinken, sondern die Inspirationsmomente, die von außen kommen, einzufangen.

3. Heart – Inspiration ist emotional

Inspiration ist auf den ersten Blick nicht rational: In einer stressigen Situation, in der dringend noch eine gute Idee für eine Präsentation gebraucht wird, würde jemand, der nur auf seinen gesunden Menschenverstand hört, eher noch einmal Gas geben und auf sein Mittagessen verzichten. Er würde versuchen noch einmal möglichst viele Varianten des Entwurfs durchzuspielen, um vielleicht so auf die perfekte Lösung zu kommen. Dass aber gerade in so einer Situation eine ausgedehnte Pause vielleicht den nötigen Abstand für den Durchbruch geben könnte, klingt zunächst einmal nicht gerade logisch und sinnvoll.

Inspiration ist aber auch nicht irrational. Viele Prozesse, die bei Momenten der Inspiration im Gehirn stattfinden, sind neurowissenschaftlich nachvollziehbar und werden immer besser erforscht. Wissenschaftler haben beispielsweise herausgefunden, warum Geistesblitze besonders häufig vorkommen, während man einfache Tätigkeiten durchführt – wie zum Beispiel beim Duschen. 

Inspiration ist dagegen aber immer eine emotionale Angelegenheit. Oft ist es nur ein schwaches Gefühl oder ein Eindruck, der einen zu einer Entscheidung drängen möchte, die sich später als die absolut richtige herausstellt. Das Erkennen eines solchen Inspirationsmoments ist aber immer auch abhängig von der aktuellen Gefühlslage. Man kann trainieren, sensibler zu werden und auf sein Herz und seine Gefühle zu hören, um letztlich ein inspirierteres Leben zu führen. 

4. With – Inspiration ist Empfangen

Für den Akt der Inspiration wird, außer einem selbst, immer noch mindestens ein Gegenüber benötigt, mit dem interagiert werden kann. Dies muss keinesfalls eine menschliche Person sein, denn Inspiration findet oft genau dann statt, wenn man alleine ist. Die Aufgabe des Einhauchenden kann genauso gut von Gegenständen, Worten, Bildern, dem Unterbewusstsein oder einer übernatürlichen Instanz eingenommen werden. Allein schon das Verb inspirieren kann nur passiv auf sich selbst angewendet werden: »Ich habe mich inspiriert,« würde niemand sagen. Richtig wäre: »Ich wurde inspiriert.« 

Inspiration ist immer auch ein Akt des Empfangens. Man kann sich zwar in Situationen begeben, in denen es besonders viele oder besonders aussichtsreiche potentielle Inspirationsquellen gibt, ob man dabei aber inspiriert wird, kann man im Voraus nie wissen. Man kann nur auf Empfangsmodus gehen, darauf hoffen, inspiriert zu werden, und sich freuen, wenn man etwas empfängt. 

Mehr zu diesem Thema findest du in diesem Artikel zum Thema »Absender und Empfänger bei Inspiration«.

5. Art – Alles kann inspirieren

Die bildenden Künste, aber auch andere Ausdrucksformen der Kunst, wie Literatur, Musik und die darstellenden Künste, bieten eine hervorragende Grundlage für plötzliche Momente der Inspiration. Inspiration ist allerdings nicht auf diese kreativen, hochentwickelten Erzeugnisse angewiesen. Gerade für den eigenen kreativen Schaffungsprozess sind fachfremde Arbeiten besonders reizvoll und effektiv. 

Buchstäblich alles kann als Inspirationsquelle dienen: einfache Tätigkeiten, bestimmte Orte, Alltagsgegenstände, Arbeitskollegen, das Unterbewusstsein, soziale Medien, Bücher, Magazine, die eigene Familie – um nur ein paar wenige Beispiele zu nennen. Auf diesem Blog sollen die Inspirationsquellen, die in der Vergangenheit den größten Erfolg versprachen, nach und nach vorgestellt werden.

6. Day – Inspiration findet im Alltag statt

Inspiration ist keine Sache, die nur in Ausnahmesituationen stattfindet. Man trifft keine Vorbereitungen und sagt dann: »Ok, jetzt bin ich bereit. Die Inspiration kann kommen!« Oft kommen einem gerade dann die besten Gedanken, wenn man eben nicht damit rechnet. 

Trotzdem kann es durchaus sinnvoll sein, seinen Tagesablauf und seine Routinen so anzupassen, dass potentiell inspirierendere Situationen häufiger darin vorkommen. Einmalige Aktionen können zwar auch funktionieren, bringen aber lange nicht so viel, wie echte Routinen. Situationen, die einen eher davon abhalten, inspiriert zu werden, sollten natürlich im Gegenzug dazu nach und nach aus dem Alltag entfernt werden. Echte Routinen zu entwickeln, erfordern viel Disziplin. Verbissen sollte man allerdings auch nicht an die Sache herangehen, denn sonst könnte der Fokus auf das Wesentliche verloren gehen. Jeder Tag kann somit zum Inspire Your Heart With Art Day werden.

Um auch auf dieser Plattform möglichst oft Anstöße zur Inspiration liefern zu können, plane ich ab heute – wenn die Zeit es zulässt – mindestens einmal in der Woche einen Beitrag zu veröffentlichen. Ich bin gespannt, wie sich dieses Projekt entwickelt und wie ich mich selbst dabei weiterentwickle.

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