Dieser Text ist das Vorwort der Diplomarbeit von Benjamin Wurster »Über Inspiration. Anregungen und Gedanken«. Alle Texte dieses Projektes werden unter der Kategorie Diploma veröffentlicht.

Der US-amerikanische Wissenschaftler und Erfinder Thomas Alva Edison soll einmal gesagt haben, Kreativität sei zu neunundneunzig Prozent Transpiration und nur zu einem Prozent Inspiration. Dass also das kreative Schaffen zum Großteil aus harter Arbeit besteht, ist allgemein und auch schon lange bekannt; die Tatsache wurde bereits in zahlreichen Büchern thematisiert. Bei meiner Recherche fand ich dagegen kein einziges Buch, welches im Speziellen auf diesen anderen, diesen winzigen Teil der kreativen Tätigkeit einging – die Inspiration. Dieses klitzekleine Prozentchen, welches zunächst so unscheinbar und belanglos daherkommt. Dieses zierliche Hundertstel, das aber in manchen Situationen den entscheidenden Impuls zu revolutionären Arbeiten liefert. Inspiration ist heute ein Begriff, den fast jeder verwendet. Und trotzdem kommen viele Menschen an ihre Grenzen, wenn sie das Wort definieren sollen. Der Begriff ist abstrakt, er ist nicht greifbar, und trotzdem geht er sehr leicht von der Hand. 

Auf der Suche nach einer passenden Illustration für dieses Buch, welche diese Eigenschaften – das Abstrakte, das Nicht-Greifbare und die Leichtigkeit des Inspirationsbegriffs – im Wesentlichen darstellt, stieß ich auf das schlichte Bild einer Wolke. 

Eine Wolke ist abstrakt. Wer hat nicht schon einmal kurz in den Himmel geschaut und bald darauf in einer Wolkenformation ein exotisches Tier, ein schnittiges Auto oder ein seltsames Gesicht gesehen? Jede Menge Faktoren spielen beim Erkennen eines solchen abstrakten Bildes mit. a) Die äußeren Umstände: Neben der Tatsache, dass das Wetter mitspielen muss, sollte man auch selbst aktiv werden und an die frische Luft oder (zumindest) ans Fenster gehen. b) Der zeitliche Rahmen: Nur für einen kurzen Moment sind bestimmte Bilder sichtbar, bereits wenige Sekunden später können sie vom Wind bis zur Unkenntlichkeit verändert worden sein. c) Die innere Einstellung: Die Suche nach besagten Wolkenbildern gelingt oft nur mit dem konkreten Vorhaben, etwas sehen zu wollen, und immer nur mit genügend Fantasie. Genauso spielen äußere Umstände, zeitliche Rahmen und die innere Einstellung eine große Rolle beim Erkennen abstrakter Inspirationsmomente. 

Eine Wolke ist nicht greifbar. Trotz einer sehr einfachen wissenschaftlichen Erklärung für ihre Entstehung, bleibt die Wolke dennoch für viele Menschen undurchsichtig. Wolken sind formlos, sie haben keine physische Begrenzung und können problemlos passiert werden. Wolken können nicht einfach eingefangen und zu einem späteren Zeitpunkt wieder ausgesetzt werden. Eine hohe Wahrscheinlichkeit für ihr Auftreten kann zwar vorausgesagt, ihre Häufigkeit aber nicht beeinflusst werden. Wie eine Wolke ist auch der Moment der Inspiration nur schwer greifbar und auch nur in gewissem Rahmen vorhersehbar. 

Eine Wolke ist leicht. Beim Blick aus dem Flugzeugfenster würde manch einer am liebsten auf den samtigen Wolkenteppich springen, der optisch stark an ein Meer aus Watte erinnert. Wolken sind schwerelos und lassen sich vom Wind einfach dahintreiben. Ein entspannter Blick auf einen Turm aus Quellwolken ist unbeschwert, beruhigt und kann zu neuen Ideen inspirieren. Mit genau solch einer Leichtigkeit sollte auch das Thema der Inspiration angegangen werden. Inspiration ist nichts Schweres und auch nichts Ernstes. Wer sich verkrampft, bietet der schüchternen Inspiration nicht den Freiraum, den sie braucht, um sich zu erkennen zu geben. Man lehne sich also getrost zurück und lasse dieses Buch entspannt auf sich wirken. 

Dieses Buch richtet sich an alle Personen, die kreativ tätig sind, sei es beruflich, noch in der Ausbildung oder lediglich als Freizeitbeschäftigung. Es richtet sich an diejenigen, die mehr über den abstrakten Begriff der Inspiration lernen möchten. Dieses Buch soll kein Ratgeber für das Ausbauen der Fähigkeit sein, Ideen zu generieren. Es soll vielmehr eine Hilfestellung sein und zur allgemeinen Wissenserweiterung dienen. Alles kann, nichts muss; es werden nur Möglichkeiten aufgezeigt. 

Beim Lesen des Buches wird dem einen oder anderen vielleicht auffallen, dass für das fünfte Kapitel, im Vergleich zu allen anderen Abschnitten, fast ausschließlich eine einzige Quelle verwendet wurde. Dies hat den Grund, dass sich das Thema der Neurologie sehr stark vom Rest des Buches unterscheidet und daher nicht in gleichem Maße recherchiert werden konnte. 

Ich hoffe, dass ich mit dem zusammengetragenen Wissen – in allen Kapiteln – eine solide Grundlage auf dem Gebiet der Inspiration schaffen kann. Wenn durch dieses Buch das Interesse an weiterer Auseinandersetzung mit dem Thema geweckt wird und das Gelesene auch teilweise im Alltag Anwendung findet, sehe ich mein Ziel als erreicht.

Herzlichst,
Benjamin Wurster

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