Dieser Text ist Teil der Diplomarbeit von Benjamin Wurster »Über Inspiration. Anregungen und Gedanken«. Alle Texte dieses Projektes werden unter der Kategorie Diploma veröffentlicht. Wer einen Überblick über die gesamte Arbeit bekommen möchte, beginnt man am besten beim Vorwort. Dieser Text gehört zum siebten Kapitel: Tun.

Eine Sache, die man aus amerikanischen Filmen schon lange kennt und die sich in den letzten Jahren auch vermehrt in unseren Agenturen etabliert hat, ist das zunächst sehr kreativ wirkende Großraumbüro. Mitarbeiter entwickeln gemeinsam an Whiteboards ausgefallene Werbekonzepte, Musik schallt aus den Computerboxen und schafft eine lockere Atmosphäre. Hier telefoniert einer, dort wird gerade dem Praktikanten erklärt, wie er die Kaffeemaschine zu reinigen hat, und auf dem Flur vor der Toilette findet ein kurzes Meeting im Stehen statt. Das alles klingt im ersten Moment sehr kreativ und locker, vielleicht ist der Glaube an dieses Konzept aber doch ein wenig zu romantisch.

Frank Berzbach schreibt in Die Kunst ein kreatives Leben zu führen, dass Großraumbüros kein guter Rahmen für kreative Prozesse seien.

»Menschen können sich geordneter, klarer und offener begegnen, wenn sie die Möglichkeit zum Rückzug haben«, schreibt Berzbach.

Frank Berzbach: Die Kunst ein kreatives Leben zu führen. Anregungen zur Achtsamkeit, Mainz: Verlag Hermann Schmidt 2016, S. 72

Gerade der Moment der Inspiration geschieht selten, wenn noch viele andere Menschen dabei sind. Andere Personen um einen herum stellen meist eine zu große Ablenkung dar, welche die schüchterne Inspiration daran hindert, aus dem Verborgenen hervorzutreten.

Berzbach erklärt aber auch deutlich, dass die völlige Einsamkeit auch nicht die Lösung für besonders kreatives Arbeiten ist. Er schreibt:

»Kreativität ist, egal wie sehr wir den Teamgeist feiern, ein ganz einsames Phänomen. Diese Einsamkeit braucht den Rahmen einer Gemeinschaft, sonst endet sie in der Isolation. Aber echte Gemeinschaft ist selten, heute steht an ihrer Stelle leider meist nur ein Team.«

Berzbach 2016, S. 72

Besser wäre es also, wenn Ideen zunächst alleine erarbeitet werden und erst anschließend, wenn schon erste Entwürfe vorhanden sind, wieder der Kontakt zu den Kollegen gesucht wird, um die entstandenen Ideen weiterzuentwickeln. Konzepte von Anfang an ausschließlich im Team zu erarbeiten, minimiert die Chance, dass einer der Mitwirkenden eine geniale Lösung durch spontane Inspiration bekommt. 

Der Komponist Igor Strawinski musste ebenfalls ganz alleine sein, um an seinen Stücken arbeiten zu können. Bevor er anfing, schloss er immer zuerst alle Fenster seines Arbeitszimmers.

»Ich konnte noch nie komponieren, wenn ich mir nicht sicher war, dass mich auch ja niemand hörte«, erzählte Strawinski 1924 einem Reporter.

Zitiert in Mason Currey: Musenküsse. Die täglichen Rituale berühmter Künstler, Zürich / Berlin: Kein & Aber AG 2014, S. 48

Auch wenn seine Motivation wahrscheinlich eher die war, dass er aus mangelndem Selbstwertgefühl niemanden beim Komponieren zuhören lassen wollte, scheint ihm trotzdem die Einsamkeit bei der Arbeit gut getan zu haben. Der Erfolg seiner Stücke spricht für sich.

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