Dieser Text ist Teil der Diplomarbeit von Benjamin Wurster »Über Inspiration. Anregungen und Gedanken«. Alle Texte dieses Projektes werden unter der Kategorie Diploma veröffentlicht. Wer einen Überblick über die gesamte Arbeit bekommen möchte, beginnt man am besten beim Vorwort. Dieser Text gehört zum fünften Kapitel: Einsicht.

Nicht nur die offene Geisteshaltung, auch die persönliche Stimmung trägt dazu bei, ob man durch das Unterbewusstsein inspiriert werden kann oder nicht.

John Kounios und Mark Beeman schreiben in Das Aha!-Erlebnis, »dass der Weg einer Einsicht ins Bewusstsein auch durch einen Wechsel von Ort oder Kontext und bessere Laune geebnet werden kann.« 

Mark Beeman und John Kounios: Das Aha!-Erlebnis. Wie plötzliche Einsichten entstehen und wie wir sie erfolgreich nutzen, München: Deutsche Verlags-Anstalt 2015, S. 41

Untersuchungen von Emotionsforschern ergaben, dass sich die Wahrnehmung bei einer negativen Grundstimmung verengt, und dass sie sich bei einer positiven erweitert. Für einen Architekten kann also gute Laune seine Fähigkeit verbessern, das große Ganze vor Augen zu behalten, schlechte Laune dagegen würde seine Aufmerksamkeit wahrscheinlich auf die kleinen Details lenken. Er würde buchstäblich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen. Kounios und Beeman schreiben dazu:

»Offenbar ist ein glücklicher Geist frei, im Wald umherzustreifen, während sich ein ängstlicher lieber auf einem Baum versteckt.«

Beeman / Kounios 2015, S. 153

Interessanterweise hemmt zwar Ängstlichkeit Einsicht, Traurigkeit dagegen nicht. Eine erweiterte oder eine verengte Denkweise wirkt sich schließlich wieder auf die Möglichkeit der Einsicht aus. Die Neurologen schreiben:

»Glückliche Menschen denken mit entfernten Verknüpfungen und in umfassenden Kategorien, weshalb sie dazu tendieren, Verbindungen und Gemeinsamkeiten zwischen den Dingen zu sehen. Für sie scheint alles relevant.«

Beeman / Kounios 2015, S. 154

Gute Laune bewirkt, dass der Geist sich öffnet und eine unbesetzte Haltung einnimmt, die wiederum Inspiration durch Einsicht ermöglicht und ihre Häufigkeit erhöht. Mark Beeman konnte dies anhand einiger Tests beweisen. 

Für diese Versuche stellte er einige Freiwillige vor eine Reihe von Wörterrätseln und testete durch das zwischenzeitliche Abspielen von Comedy-Streifen, bevor die Probanden weitere Aufgaben vorgesetzt bekamen, ob sich eine gute Laune auf die Anzahl der richtigen Lösungen auswirkte.

»In einer positiven Stimmung«, schreiben die Wissenschaftler, »lösten die Teilnehmer […] mehr Probleme, alle aufgrund einer Erhöhung der Lösungen durch Einsicht. In einer ängstlichen Verfassung [dagegen] lösten sie insgesamt weniger Probleme, was auf weniger Einsichtslösungen zurückzuführen war […].«

Beeman / Kounios 2015, S. 158

Ein leichtes Gefühl der Angst verringert zwar die Lösungen durch Einsicht, die Anzahl der durch analytisches Denken gelösten Aufgaben erhöhen sich dagegen minimal. 

Leichte Stimmungsschwankungen können demnach, auf eine gewisse Art und Weise, auch Vorteile haben. In manchen Situationen wird ein weites Denkfeld gebraucht, um auf neue Ideen zu kommen. Wenn die Idee dann da ist, muss diese wiederum konzentriert ausgearbeitet werden und erfordert dazu analytisches Denken.

»Die unterschiedlichen Denkweisen, die Menschen mit einer bipolaren Störung zu verschiedenen Zeiten an den Tag legen können, können also die Qualität des Endprodukts erhöhen, solange die Stimmungsschwankungen nicht so extrem oder häufig sind, dass sie lähmen.« 

Beeman / Kounios 2015, S. 163

Meiner Meinung nach sollte man dieses Wissen aber nur bedingt zur Ideenfindung einsetzen. Sich selbst in gute Stimmung zu versetzen, um kreativer zu sein, schadet sicher keinem. Auch bei der Inspiration durch Reize nehmen wir in der Regel instinktiv nur von den Dingen Gebrauch, die uns Spaß machen und die unsere Stimmung nicht grundlegend verschlechtern. Umgekehrt macht einen auch das kreative, einsichtsvolle Nachdenken an sich glücklicher.

»Wir haben gesehen, wie eine positive Stimmung die Fähigkeit verbessert, in entfernten Assoziationen zu denken«, schreiben Kounios und Beeman. »Verblüffenderweise verbessert das Denken in entfernten Assoziationen auch die Stimmung.«

Beeman / Kounios 2015, S. 161

Was auch der Grund dafür ist, dass so viele Menschen verrückt nach aller Art von Krimis und Rätseln sind. 

Auf der anderen Seite halte ich eher weniger davon, sich zur detaillierten Ausarbeitung einer Idee gezielt nervös zu machen oder sich gar in leichte Angstzustände zu versetzen. Auch wenn das analytische Denken dadurch gefördert werden soll, denke ich trotzdem, dass in diesem Fall buchstäblich das Negative überwiegt.

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