4.1 Spiritualität

Dieser Text ist Teil der Diplomarbeit von Benjamin Wurster »Über Inspiration. Anregungen und Gedanken«. Alle Texte dieses Projektes werden unter der Kategorie Diploma veröffentlicht. Wer einen Überblick über die gesamte Arbeit bekommen möchte, beginnt man am besten beim Vorwort. Dieser Text gehört zum vierten Kapitel: Eingebung.

Religion ist heute für viele Menschen ein Begriff, mit dem sie wenig anfangen können oder sogar gar nichts zu tun haben möchten. Viel lieber gesehen und viel öfter verwendet wird heute dagegen der Begriff der Spiritualität. Yoga, Meditation, Feng Shui; diese oft aus dem ost-asiatischen Raum stammenden »spirituellen« Praktiken gelten allgemein als modern und zeitgemäß, im Gegensatz zum christlichen Glauben, der in unserer Gesellschaft eine (vielleicht zu) lange Tradition hat. 

Der aufgeklärte Mensch unserer Zeit möchte sich nicht mehr von höheren, nicht greifbaren Mächten abhängig machen. Dazu kommt noch, dass die Wissenschaft Übernatürliches nicht erklären kann und es deshalb grundsätzlich als Ansatz für Forschungen ausschließt. Es wird lieber an nichts geglaubt als an etwas, das die Naturgesetze außer Kraft setzen kann. 

Trotz allem – oder vielleicht auch gerade deswegen – sehnen sich heute immer mehr Menschen danach, Außergewöhnliches zu erleben. Sie wollen Erfahrungen machen, die sie den Alltag vergessen lassen und sie aus ihrer rationalen, durchorganisierten Welt abholen. Sie wollen »geistliche« Abenteuer erleben und aus dem Gewohnten ausbrechen. Diese Erlebnisse finden sie dann in den verschiedenen Praktiken der »Spiritualitäts-Branche«. Man ist heute nicht mehr gläubig, man ist spirituell.

Aber warum denkt man bei diesem neumodischen Begriff der Spiritualität zunächst an Buddha-Statuen, Räucherstäbchen und glatzköpfige Mönche mit orangefarbenen Gewändern und nicht an die klassischen Kirchenbänke, die Orgelmusik und den Pfarrer im schwarzen Talar? Obwohl doch das Wort Spiritualität vom lateinischen spiritus kommt, was neben den Übersetzungen »Hauch« oder »Atem« auch mit »Geist« übersetzt wird. Der Begriff beinhaltet doch quasi schon den »Heiligen Geist«, der eine elementare Rolle im christlichen Glauben spielt. Wahrscheinlich weil die meisten Kirchen den Zeitpunkt für einen Sprung in die moderne Welt verpasst haben und heute oft als langweilig, gesetzlich, traditionsüberladen und weltfremd daherkommen. In vielen Kirchen werden hauptsächlich Lieder mit Melodien aus vergangenen Jahrhunderten gespielt, die sich der durchschnittliche Mensch in seiner Freizeit nicht freiwillig anhören würde. Oft hat man das Gefühl, von der Kirche in seiner Freiheit eingeschränkt zu werden und nur Dinge verboten zu bekommen. Liturgien und alte Bräuche werden seit Ewigkeiten durchgezogen, ohne deren eigentlichen Sinn zu hinterfragen und gegebenenfalls Dinge anzupassen, und Texte sind teilweise in so altertümlicher Sprache geschrieben, dass sie nur die Wenigsten verstehen.

Wenn man sich jedoch die Anfänge der christlichen Kirche anschaut und die Berichte im Neuen Testament der Bibel liest, findet man dort eher das Gegenteil. Der christliche Glaube war damals spektakulär statt langweilig, frei statt gesetzlich, revolutionär statt traditionell und zeitgemäß statt weltfremd. Sich dieser neu aufkommenden christlichen Bewegung anzuschließen war zwar damals lebensgefährlich, aber trotzdem so attraktiv, dass die Mitgliedszahlen der ersten Kirchen in kürzester Zeit förmlich explodierten. Übernatürliches und göttliche Inspiration standen damals auf der täglichen Tagesordnung. 

Da ich das Konzept der christlichen Eingebung äußerst interessant finde, und weil ich persönlich auch der Überzeugung bin, dass diese Form der Inspiration heute noch hochaktuell und praktisch erfahrbar ist, werde ich in diesem Kapitel im Besonderen auf den Gott der Bibel eingehen und seine Art, Menschen zu inspirieren.

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