Die Natur als Inspirations­quelle – 7 Gründe, warum sie perfekt funktioniert

Ständig sind wir auf der Suche nach neuen, qualitativ hochwertigen Inspirationsquellen, die uns zu neuen Ideen inspirieren können. 

Dabei sind Einflüsse von außen meistens am einfachsten zu finden. Diese Einflüsse von außen bilden die erste von drei Kategorien, in die jeder Moment der Inspiration eingeordnet werden kann. 

Tatsächlich ist es so, dass die größte Sammlung dieser frei verfügbaren Einflüsse direkt vor unserer Nase liegt. Wir brauchen nur vor die Türe zu treten, unsere fünf Sinne einzusetzen und zu versuchen, so viele Reize wie möglich aufzunehmen. Es liegt alles bereit.

Raus in die Natur

Heute, am ersten März, ist der meteorologische Frühlingsanfang. Der perfekte Zeitpunkt also, um endlich einmal wieder aus dem Haus zu gehen und die Natur zu genießen. 

Oft erscheint uns allerdings der Spaziergang im Wald weniger reizvoll als der Kinobesuch am Wochenende. Und wenn es um die Planung der nächsten Ferien geht, scheint der Wanderurlaub in den Bergen meist langweiliger als der Städtetrip in der Weltmetropole. 

Leider lässt uns der Trubel der Stadt, die tägliche Arbeit und das Überangebot an Medien oft die unvergleichliche Schönheit der Schöpfung vergessen. In unserer reizüberfluteten Welt kostet es außerdem ein gewisses Maß an Überwindung, sich nicht für die laute Dauerbeschallung, sondern für die Ruhe der Natur zu entscheiden. Auch für mich.

Trotzdem: Die Natur ist eine meiner liebsten Inspirationsquellen. Sie ist etwas, das bei mir – und bei vielen anderen vor mir – schon hunderte Male funktioniert hat. Die Natur ist etwas, das förmlich dazu geschaffen wurde, als Inspirationsquelle genutzt zu werden.

In den folgenden Abschnitten findest du sieben Argumente dafür, warum die Natur als Inspirationsquelle schon so oft funktioniert hat und auch in Zukunft immer wieder perfekt funktionieren wird.

1. Es gibt kaum etwas, das so vielfältig ist wie die Natur

Die Diversität der unterschiedlichen Landschaften unserer Erde ist spektakulär. Von den Weiten der Wüsten in Nordafrika bis zu den schneebedeckten Giganten im Himalaya-Gebirge. Von der unberührten Eislandschaft der Antarktis bis zu den tropischen Urwäldern des Amazonas-Gebietes. 

Und dabei bieten diese Landschaften zu jeder Tages- und Jahreszeit noch einmal vollkommen unterschiedliche Facetten. Man könnte in einer Woche jeden Tag an den selben Ort kommen und würde jedes Mal eine andere Lichtstimmung und eine andere Konstellation der Objekte vorfinden. Jedes Mal würde man etwas vollkommen Neues entdecken. 

Nichts auf der Welt bietet so viele Möglichkeiten für Einflüsse und Reize von außen, wie die Natur. Selbst wenn man sich nur auf ein kleines Detail konzentriert und sich lange und intensiv mit ihm beschäftigt, wird man doch immer wieder zu etwas Neuem inspiriert werden. 

Kein Detail der Natur gleicht jemals einem anderen. 

Man könnte stundenlang auf einer Wiese liegen und in den Himmel schauen: keine Wolke gleicht jemals einer anderen. Beim Beobachten des Meeres wäre es dasselbe: keine einzige Welle gleicht einer anderen. Keine Flammenzunge eines Lagerfeuers gleicht einer anderen und auch kein Mensch gleicht einem anderen. 

Die Natur ist in ihrer Schönheit so komplex und detailreich, dass der Mensch nie etwas Vergleichbares erschaffen könnte.

2. In der Natur werden immer mehrere Sinne gleichzeitig gereizt

Im Vergleich zu vielen anderen Inspirationsquellen bietet die Natur Reize, die sich mit allen Sinnen wahrnehmen lassen. Im Freien werden meist drei oder vier Sinne zur gleichen Zeit gereizt, während in anderen Umgebungen oft nur ein bis zwei Sinne gleichzeitig angesprochen werden. 

Einige Beispiele, wie die Natur unsere Sinne reizt:

Im Sommer sehen wir eine klare Sternennacht, die die Weite des Universums nur erahnen lässt; Einen Sonnenuntergang, der den ganzen Himmel in warme Farbverläufe taucht. Wir sehen die feinen Details in der Verästelung eines alten Baumes und die beeindruckende Anzahl an Insekten, die unter einem morschen Holzstück leben.

Wir fühlen die kalte Härte eines glatten Felsen und die raue Wärme von trockenem Holz; Die feuchte Kühle von frischem Quellwasser oder die sanfte Brise, die einem ins Gesicht weht, wenn man den Gipfel eines Berges erreicht hat. 

Im Wald hören wir den Gesang der Vögel und das Knacken des Unterholzes beim Darüberlaufen. Im Herbst hören wir das Rascheln des Laubes und im Winter nehmen wir die vollkommene Stille war, die vom Knistern des Schnees durchbrochen wird. 

Wir riechen die warme Frische nach einem Sommerregen und den beißenden Rauchgeruch eines Lagerfeuers. Wir schmecken die säuerliche Süße wilder Beeren und die salzige Haut nach dem Baden im Meer. 

Die Liste ließe sich ewig weiterführen.

3. Die Natur ist für jeden Menschen frei zugänglich

Was bedeutet das? Ich möchte dieses Argument verdeutlichen, indem ich die Natur mit drei anderen Inspirationsquellen vergleiche: kulturelle Einrichtungen, Soziale Netzwerke und Bücher.

Die Natur kann von jedem Menschen völlig kostenlos als Inspirationsquelle genutzt werden. Ihre Nutzung kostet keinen Eintritt (im Vergleich zur kulturellen Einrichtung); es wird kein teures Gerät vorausgesetzt, um sie nutzen zu können (im Vergleich zu Sozialen Netzwerken); und man muss keinen Anschaffungspreis und keine Leihgebühr für sie bezahlen (im Vergleich zu Büchern).

Die Natur als Inspirationsquelle richtet sich nicht nach bestimmten Öffnungszeiten (im Vergleich zu kulturellen Einrichtungen).

Die Natur setzt keine Vorkenntnisse voraus; jeder kann sie als Inspirationsquelle nutzen. Beispielsweise muss man nicht lesen können, um sich von der Natur inspirieren zu lassen (im Vergleich zu Büchern).

Ich muss zugeben: Der eigene Wohnort spielt bei diesem dritten Argument eine nicht zu vernachlässigende Rolle. Wer in einer Großstadt wohnt, muss deutlich mehr Aufwand betreiben, um raus in die Natur zu kommen, als zum Beispiel ich.

In diesem Fall bin ich froh darüber, in einem kleinen Städtchen mitten im Schwarzwald zu leben. Egal in welche Himmelsrichtung ich gehe, spätestens nach fünfzehn Minuten bin ich im Wald, habe meine Ruhe und kann meine Gedanken schweifen lassen.

4. Du wirst in der Natur nicht unnötig abgelenkt

Inspiration funktioniert grundsätzlich besonders gut, wenn man alleine ist und nicht abgelenkt wird. Die Gedanken können dann in Ruhe umherwandern. 

Wenn man alleine ist, kann man Einfälle laut aussprechen, ohne sich Gedanken um die Leute um einen herum machen zu müssen. Man kann ohne Bedenken gehen wo hin man will, laufen, hüpfen, sitzen, knien, liegen, pfeifen, singen oder was auch immer tun – hauptsache es dient der Inspiration.

Aus diesem Grund eignet sich die echte Natur besser zum Sich-inspirieren-Lassen, als ein Stadtpark oder ein Hotelstrand. Dort findet man deutlich einfacher ein ruhiges Plätzchen, an dem man nicht von anderen Menschen unnötig abgelenkt wird.

5. Bei der Natur als Inspirations­quelle ist der Weg wichtiger als das Ziel

In der Regel spaziert man nicht durch die Natur, um schnell einen bestimmten Ort zu erreichen. Man tut es einfach um der Natur willen. Meistens wäre die Fahrt mit den üblichen Verkehrsmitteln oder der Weg über befestigte Straßen schneller.

Natürlich ist es auch inspirierend, einfach auf einer Bank in der Natur zu verweilen und die Aussicht zu genießen. Aber gerade das Gehen an sich kann schon eine sehr inspirierende Wirkung haben.

Sehr viele Künstler, Schriftsteller und Wissenschaftler nutzten bereits in der Vergangenheit ihren täglichen Spaziergang (durch die Natur) als unverzichtbare, persönliche Inspirationsquelle. 

Um nur ein paar wenige, beispielhafte Namen zu nennen: Ludwig van Beethoven, René Descartes, Charles Darwin, Charles Dickens, Sigmund Freud, Joseph Haydn, Thomas Hobbes, Friedrich Nietzsche, Andy Warhol und sehr viele mehr. 

Gerade das Spontane und Ungeplante mag ich persönlich beim Gehen durch die Natur am liebsten. Wenn ich während eines Inspirations-Spaziergangs durch den Wald an eine Gabelung komme, entscheide ich mich meistens für den Weg, den ich noch nie zuvor gegangen bin. So bekomme ich noch mehr Eindrücke und unbekannte Reize und erhöhe dadurch die Chance, inspiriert zu werden.

6. Die Natur interagiert mit dir

Die meisten Inspirationsquellen, die wir heute nutzen, sind Gegenstände oder Umgebungen, die keine Seele, keine Gefühle und keinen eigenen Willen haben. Die Natur dagegen lebt. 

Tiere und zum Teil auch Pflanzen reagieren auf unser Verhalten. Wenn wir sie liebevoll behandeln, reagieren sie anders, als wenn wir sie erschrecken, aufscheuchen oder Gewalt gegen sie anwenden. Man bekommt oft eine direkte Reaktion auf die eigene Aktion.

Sicher gibt es auch andere Inspirationsquellen, die mit einem in Echtzeit interagieren. Roboter und Computer sind heute in ihrer Entwicklung so weit fortgeschritten, dass sie dem Menschen immer ähnlicher werden. Trotzdem ist dies niemals natürlich, sondern immer berechenbar. Die Reaktion dieser künstlichen Intelligenzen kann immer von Menschen beeinflusst und gesteuert werden. Die Natur dagegen ist launenhaft.

7. Die Natur ist gewaltig, unberechenbar und spannend – aber auch hilfsbedürftig 

Wir alle kennen diese Bilder von erbarmungslosen Naturgewalten: Tsunamis, Wirbelstürme, Erdbeben und Waldbrände. In diesen Situationen fühlen wir uns hilflos und ausgeliefert. Wir fühlen uns so klein und schwach – die Natur dagegen ist brutal und gefährlich. 

Auch im Alltag kann die Natur viele Gefahren mit sich bringen. Ein schmaler Trampelpfad mit tiefen Abgründen auf beiden Seiten etwa, rutschiges Laub auf einem feuchten Waldweg oder hungrige Raubtiere in der Wildnis. Aber genau diese Gefahren machen die Natur auch so spannend.

Auf der anderen Seite sind wir Menschen die intelligentesten (natürlichen) Lebewesen auf dieser Erde – die Krone der Schöpfung sozusagen. Wer Spiderman kennt, weiß, dass aus großer Macht auch große Verantwortung folgt. Wir Menschen tragen die Verantwortung, unsere Natur zu beschützen und für kommende Generationen zu erhalten. Nicht nur, aber auch als Inspirationsquelle. 

Diese Hilflosigkeit und Schwachheit gegenüber der Natur, und diese Verantwortung ihr gegenüber auf der anderen Seite, finde ich sehr einmalig und dadurch auch sehr inspirierend.


Praktische Anwendung: Die Natur als Inspirationsquelle im Alltag nutzen

Ich kann nur empfehlen, die Natur als Inspirationsquelle im Alltag einmal auszuprobieren. Man kann zum Beispiel einmal versuchen, sich eine Stunde Zeit zu nehmen, um (ohne konkreten Plan) raus in die Natur zu gehen und sich inspirieren zu lassen. 

Wenn ich weiß, dass bei mir persönlich ein voller Tag ansteht, an dem ich gute Ideen brauche, gehe ich in der Morgendämmerung eine Runde durch den Wald spazieren und lasse mich inspirieren. Fast immer funktioniert bei mir die Natur als Inspirationsquelle und ich kann fokussiert und voller neuer Ideen in den Tag starten.

Auch wenn ich ich zwischendurch festhänge und an einer Sache nicht weiterkomme, hilft es mir oft, eine kurze Pause in der Natur zu machen, um den Kopf wieder frei zu bekommen.

Wenn auch du merkst, dass diese Ausflüge in die Natur bei dir als Inspirationsquelle funktionieren, würde ich dir empfehlen, diese zu einem festen Bestandteil deines Alltags zu machen. Durch die Einführung solch eines Rituals bekommst du eine regelmäßige Quelle für wertvolle Inspirationsmomente in deinem Alltag.

Schluss

Ich möchte zum Schluss noch den Text eines Kreativen zitieren, der ebenfalls die Natur als Inspirationsquelle besonders schätzt. Für das Buch Vademekum der Inspirationsmittel schrieb der Literaturhistoriker Conrad Wiedemann über seine liebste, persönliche Inspirationsquelle. 

Ungeachtet der anderen Verfasser, welche oft mehrere Seiten lange Essays verfassten, brachte es Wiedemann in nur drei Sätzen auf den Punkt:

»Die wenigen lohnenden Gedanken, die ich habe, kommen mir beim Blick auf die Platane vor meinem Fenster. Sie ist ein Traum zu allen Jahreszeiten. Gerade verliert sie ihre Blätter.«

Conrad Wiedemann: Platane, in: Christoph Markschies und Ernst Osterkamp (Hg.): Vademekum der Inspirationsmittel, Göttingen: Wallstein Verlag 2012

Für mich ist die Natur eindeutig eine der faszinierendsten Quellen für Inspiration. 

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