Dieser Text ist Teil der Diplomarbeit von Benjamin Wurster »Über Inspiration. Anregungen und Gedanken«. Alle Texte dieses Projektes werden unter der Kategorie Diploma veröffentlicht. Wer einen Überblick über die gesamte Arbeit bekommen möchte, beginnt man am besten beim Vorwort. Dieser Text gehört zum dritten Kapitel: Einfluss.

Viele Menschen hören während der Arbeit und auch zuhause gerne im Hintergrund Musik. Daran ist auch grundsätzlich nichts auszusetzen, solange man sich nicht außerordentlich auf eine spezielle Sache konzentrieren muss, die absolute Ruhe erfordert. Aber gerade bei kreativen Tätigkeiten kann Musik ein entspanntes und inspiriertes Arbeiten ermöglichen. Auch Radiohören kann seine Vorteile haben, da die verschiedenen Themen und die Werbung zwischen dem Musikprogramm zu ungewöhnlichen Ideen anregen können. Die bevorzugte Musikrichtung ist dabei natürlich Geschmacksache und auch, wenn es um die Lautstärke geht, hat jeder seine Vorlieben. 

Die Schriftstellerin Cornelia Funke zum Beispiel hört während der Arbeit »gerne Musik von Johann Sebastian Bach, Henry Purcell, Wolfgang Amadeus Mozart oder Lautenmusik von Silvius Leopold Weiss, aber nur sehr leise im Hintergrund«, weiß Arno Frank.

Mason Currey und Arno Frank: Mehr Musenküsse. Die täglichen Rituale berühmter Künstler, Zürich / Berlin: Kein & Aber AG 2015, S. 55

Und über den Schriftsteller Peter Handke schreibt Frank:

»Der Raum ist spartanisch eingerichtet, auf seinem Gettoblaster hört der Hausherr gerne Johnny Cash, Leonard Cohen und Van Morrison.«

Currey / Frank 2015, S. 59

Der Philosoph Slavoj Žižek hört in der Regel bei der Arbeit klassische Musik von Wagner, Schönberg oder Mozart, zwischendurch aber auch gerne immer wieder Rammstein.

»Ich kann ohne Musik nicht leben. Ich arbeite immer mit Musik, mit lauter Musik«, sagte er in einem Interview. »Ohne fünf oder sechs Stunden Kammermusik am Tag halte ich es nicht aus.« 

Zitiert in Currey / Frank 2015, S. 70

Wenn Musik im Hintergrund läuft, verschwindet sie im Rauschen der Umgebung. Wenn man diese Musik dazu noch gut kennt, hört man immer wieder in kurzen gedanklichen Pausen einzelne Textzeilen oder Melodiefolgen heraus, die so mit der zu bearbeitenden Aufgabe in Verbindung gebracht werden können. Vielleicht ruft ein Liedtext überraschend eine entfernte Erinnerung hervor oder die gehörte Tonfolge stößt einen Gedanken an, der letztlich den großen Felsen der neuartigen Idee ins Rollen bringt. 

Bewusstes Musikhören wird leider viel seltener praktiziert als das Rauschen im Hintergrund. Kaum einer nimmt sich heute die Zeit, setzt sich vor seinen Plattenspieler und zelebriert Beethovens neunte Symphonie so, wie sie es verdient hätte. Aber gerade das konzentrierte Wahrnehmen der Klänge, der Texte und der Emotionen, kann einen viel stärkeren Stimulus darstellen als die konstante Reizüberflutung, der man den restlichen Tag über ausgesetzt ist. Das Musikhören wird dann zur Meditation und fördert dadurch die Konzentrationsfähigkeit, entspannt und verbessert die Aussicht auf Inspiration durch Reize. Noch intensiver als das bewusste Musikhören an der Stereoanlage, können dann nur noch physische Besuche im Opernhaus oder auf Rockkonzerten sein, da sie nicht nur das Gehör, sondern zusätzlich auch alle anderen Sinne ansprechen und reizen.

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