Dieser Text ist Teil der Diplomarbeit von Benjamin Wurster »Über Inspiration. Anregungen und Gedanken«. Alle Texte dieses Projektes werden unter der Kategorie Diploma veröffentlicht. Wer einen Überblick über die gesamte Arbeit bekommen möchte, beginnt man am besten beim Vorwort. Dieser Text gehört zum zweiten Kapitel: Inspiration.

»Um Zeus, den höchsten griechischen Gott, von seinen vielfältigen Inspirationsaufgaben zu entlasten, hat die griechische Mythologie eigens einen neunköpfigen Schwesternverein erfunden: die Musen als die Töchter des Zeus und der Mnemosyne«, schreiben Markschies und Osterkamp.

Christoph Markschies und Ernst Osterkamp (Hg.): Vademekum der Inspirationsmittel, Göttingen: Wallstein Verlag 2012, S. 10

Jede der neun Schwestern war für jeweils einen kreativen Schaffungsbereich zuständig und wurde bei Bedarf um Beistand angefleht. Laut Wikipedia wurden die Verantwortungsbereiche der neun olympischen Musen folgendermaßen zugeordnet: Klio, die Muse der Geschichtsschreibung; Melpomene, die Muse der Tragödie; Terpsichore, die Muse für Chorlyrik und Tanz; Thalia, die Muse der Komödie; Euterpe, die Muse der Lyrik und des Flötenspiels; Erato, die Muse der Liebesdichtung; Urania, die Muse der Astronomie; Polyhymnia, die Muse der Gesangs mit der Leier; sowie Kalliope, die Muse der epischen Dichtung, der Rhetorik, der Philosophie und der Wissenschaft. Der erste bekannte griechische Dichter Hesiod schrieb um siebenhundert vor Christus erstmals über die olympischen Musen in seinem Werk Theogonie

Heutzutage wird der Begriff der Muse sehr viel freier und vielseitiger eingesetzt. Meistens sind dabei Personen gemeint – in der Regel Frauen –, die sich in unmittelbarer Umgebung eines Künstlers aufhalten und diesem als ständige Inspirationsquelle dienen; Der Künstler wird in diesem Fall sprichwörtlich (und vielleicht auch buchstäblich) »von der Muse geküsst«. Selbst Gegenstände und Orte werden heute teilweise als Musen bezeichnet und verallgemeinern den Begriff auf einen banalen äußeren Einfluss. Im Falle der Muse also änderte sich die Quelle der Inspiration über die Jahrhunderte hinweg von einer göttlichen Eingebung zu einer einfachen menschlichen oder dinglichen Anregung. Die Herkunftsrichtung änderte sich von oben nach außen. 

Inspiration war in der griechischen Mythologie immer wieder ein zentrales Thema für Dichter und Philosophen. Meistens wurde dabei ihr Ursprung einem der vielen olympischen Göttern oder anderen übernatürlichen Wesen zugeordnet. In der Geschichte des Volkes Israel, also dem Ursprung des jüdischen und des christlichen Glaubens, geht das Prinzip der Inspiration sogar noch weiter zurück: bis zur Erschaffung menschlichen Lebens.

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