Dieser Text ist Teil der Diplomarbeit von Benjamin Wurster »Über Inspiration. Anregungen und Gedanken«. Alle Texte dieses Projektes werden unter der Kategorie Diploma veröffentlicht. Wer einen Überblick über die gesamte Arbeit bekommen möchte, beginnt man am besten beim Vorwort. Dieser Text gehört zum siebten Kapitel: Tun.

Ob eine aufkommende Idee wirklich gut und relevant ist, oder ob sie sich als gewöhnlich und austauschbar herausstellt, hängt meistens nur von winzigen Nuancen ab. Ein kreativ Arbeitender, der schon lange in seinem Berufsfeld tätig ist, kann trotzdem innerhalb von Sekunden entscheiden, ob das Aufkommende weiter verfolgt wird oder nicht. Diese Fähigkeit, gutes von schlechtem Material durch das eigene Bauchgefühl unterscheiden zu können, nennt sich Intuition. Frank Berzbach schreibt in Die Kunst ein kreatives Leben zu führen:

»Intuition ist zwar ungenau und speist sich aus einer uns unbekannten psychischen Quelle, aber sie ist sehr viel umfassender als das rationale, bewusste Denken.« 

Frank Berzbach: Die Kunst ein kreatives Leben zu führen. Anregungen zur Achtsamkeit, Mainz: Verlag Hermann Schmidt 2016, S. 168

Letztlich geht es um ein vages Gefühl. Eine Ahnung davon, ob man der Idee trauen kann oder nicht. Ob sich bei ihr die Stimmung hebt oder ob sie dabei abfällt. Das Unterbewusstsein weiß in solch einer Situation mehr als der Verstand, denn es bezieht noch andere Faktoren mit ein, die das bewusste Denken außen vor lässt. Der Verstand kann hier nur auf das Gefühl vertrauen, welches vom Unterbewusstsein nach oben befördert wird. Im Moment der plötzlichen Inspiration wird oft eine gewisse Euphorie verspürt, da eine Eingebung in der Regel nicht erwartet wird und da sie spontan etwas Neues preisgibt. Eine Idee, die plötzlich auftaucht und nicht über längere Zeit hinweg entwickelt wurde, wird deshalb häufig von der eigenen Intuition als verarbeitungswert eingestuft. Und da diese Ideen meist auch ungewöhnlicher sind als ihre analytisch entwickelten Geschwister, spielt einem das euphorische Glücksgefühl im Inspirationsmoment auch selten einen Streich.

John Kounios und Marc Beeman beschreiben in Das Aha!-Erlebnis noch einen anderen Aspekt des Begriffes.

Unter Intuition verstehen Kognitionspsychologen »die Wahrnehmung der Anwesenheit einer Information im Unterbewusstsein, also einer neuen Idee, Lösung oder Perspektive, ohne Gewahrwerden der Information selbst – zumindest bis sie ins Bewusstsein tritt«, schreiben die Neurologen.

Mark Beeman und John Kounios: Das Aha!-Erlebnis. Wie plötzliche Einsichten entstehen und wie wir sie erfolgreich nutzen, München: Deutsche Verlags-Anstalt 2015, S. 167

Intuition kann also auf der einen Seite das Gespür dafür geben, ob eine aufkommende Idee brauchbar ist oder nicht, zum anderen kann sie einen aber auch spüren lassen, dass man kurz vor einem spontanen Inspirationsmoment steht, und dass man in diesem Moment entsprechende Techniken für ein Hervorlocken der Eingebung in Betracht ziehen sollte – wie zum Beispiel ein kurzes Schließen der Augen. In beiden Fällen scheint eine gezielte Verbesserung der eigenen Intuition von Vorteil zu sein.

Grundsätzlich gibt es drei Variablen, die die eigene Intuition und somit auch die Sensibilität für relevante Inspiration verbessern können. Berzbach schreibt:

»Zum Fachwissen kommt die Arbeits- und Lebenserfahrung hinzu, beides hat Einfluss auf die für ein kreatives Leben unverzichtbare Intuition.«

Berzbach 2016, S. 68

Das eigene Fachwissen kann unter anderem durch Bücher, Vorträge und Workshops erweitert werden, die Arbeitserfahrung kann wiederum durch Übung und konstante Produktivität optimiert werden. Allein das Anwachsen der Lebenserfahrung bleibt wohl oder übel ein geduldiges (im besten Fall vielleicht ein möglichst aktives) Abwarten.

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