Dieser Text ist Teil der Diplomarbeit von Benjamin Wurster »Über Inspiration. Anregungen und Gedanken«. Alle Texte dieses Projektes werden unter der Kategorie Diploma veröffentlicht. Wer einen Überblick über die gesamte Arbeit bekommen möchte, beginnt man am besten beim Vorwort. Dieser Text gehört zum dritten Kapitel: Einfluss.

Das erste, was viele Menschen heute tun, wenn sie eine Aufgabenstellung bekommen oder ein Projekt beginnen, ist, den entsprechenden Begriff zu googeln. Suchmaschinen im Internet wie Google, Yahoo oder Bing bieten eine schier unerschöpfliche Quelle an Reizen. Es werden einem unmittelbar Bilder, Webseiten, Videos sowie Kauf- und Literaturempfehlungen zur entsprechenden Suchanfrage aufgetischt, und man hat die Qual der Wahl, von welchen Eindrücken man sich beeinflussen lässt und von welchen nicht.

Man kann sich heute gar nicht mehr vorstellen, wie man damals – in Zeiten, als es noch kein Internet gab – überhaupt produktiv arbeiten, geschweige denn seinen Alltag bewältigen konnte. Viele Tätigkeiten mussten über einen längeren Zeitraum geplant und umständlicher durchgeführt werden. Gedruckte Straßenkarten und Wörterbücher waren in jedem Haushalt vorhanden, Flüge konnten nur im Reisebüro gebucht und direkt am Flughafen eingecheckt werden, und Freunde und Familie im Ausland konnten nur äußerst selten im Jahr für sehr teures Geld angerufen werden – und das, ohne sie dabei in »Realtime« zu sehen. Die Welt drehte sich eben insgesamt ein wenig langsamer als heute.

Manchmal wäre aber auch in der heutigen Zeit eine Entschleunigung der kreativen Arbeitsabläufe und ein erstmaliges Nachdenken, bevor wild nach Begriffen gegoogelt wird, von großem Vorteil. Das sofortige Eingeben der Frage in eine Suchmaschine macht einen nicht nur faul, es macht auch austauschbar. Wenn man sich selbst zuvor keine Gedanken über die grobe Richtung des Lösungsansatzes gemacht hat, kann es sein, dass das Internet einen auf einen Kurs bringt, den die anderen neunundneunzig Prozent eben auch gegangen wären: Den Hauptstrom sozusagen, oder wie man heute auch sagt: den Mainstream. Um heute originell, neuartig oder revolutionär sein zu können, sollte man immer über neue Strömungen und Techniken im eigenen Fachgebiet Bescheid wissen und diese auch nutzen. Es kommt aber auch stark darauf an, dass diese Tools mit Bedacht eingesetzt werden und in angemessenem Umfang.

In Zeiten von Smartphones und anderen mobilen Endgeräten bekommen soziale Netzwerke und Blogs eine immer größere Rolle. Auf Instagram werden Abbildungen von Erlebtem und vom eigenen Output hochgeladen. Man behält im Überblick, was der direkte Freundeskreis, die Konkurrenz und die großen Vorbilder produzieren und mit ihren Followern teilen. Auf Pinterest werden Kollektionen von Bildern an virtuelle Pinnwände geheftet und sogenannte digitale Moodboards erstellt. Man folgt und speichert die Beiträge anderer und bekommt so immer wieder Anregungen für die eigene Arbeit. Auf Tumblr werden eigene oder fremde Fotografien, Videos und Texte innerhalb eines Blogs veröffentlicht. Wenn etwas gefällt, wird es auf der eigenen Seite geteilt und andere sehen wiederum die persönlichen Interessen und Vorlieben.

Genauso funktionieren auch andere soziale Online-Dienste wie YouTube, Facebook oder Twitter. Sie basieren alle auf dem Prinzip des Teilens eigener Beiträge und des Ansehens Beiträge anderer. Aber auch hier birgt das Überangebot an Bildern und Einflüssen stets die Gefahr der Reizüberflutung. Schnell wird man in den Bann der vielen Eindrücke gezogen und das Losreißen fällt zunehmend schwerer. Und ehe man sich’s versieht, ist wieder eine Dreiviertel Stunde vergangen, und am eigentlichen Problem ist man vor lauter Reizen und Eindrücken kein bisschen weitergekommen. Auch hier kommt es wieder auf das richtige Maß an.

Vielleicht hilft es ja beim Inspirierenlassen im Internet – genauso wie bei Büchern und Magazinen – gezielt auf fachfremdes Material zurückzugreifen, um auf möglichst originelle Einfälle zu kommen. Blogs wie No one really knows what we do oder Haw-lin legen sich nicht auf eine einzige kreative Disziplin fest, sondern bieten stets eine breite Variation an visuellen Reizen. Dadurch erhöhen sie die Möglichkeit, zu ungewöhnlichen Gedankengängen und zu ausgefallenen Ideen zu kommen. Das alleinige Herumschwimmen in heimischen Gewässern führt nicht selten zu Fachidiotismus, was es grundsätzlich zu vermeiden gilt.

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