Dieser Text ist Teil der Diplomarbeit von Benjamin Wurster »Über Inspiration. Anregungen und Gedanken«. Alle Texte dieses Projektes werden unter der Kategorie Diploma veröffentlicht. Wer einen Überblick über die gesamte Arbeit bekommen möchte, beginnt man am besten beim Vorwort. Dieser Text gehört zum fünften Kapitel: Einsicht.

Von einem sehr frühen Moment der Einsicht erzählt uns die Legende des Archimedes von Syrakus. Im zweiten Jahrhundert vor Christus ließ König Hieron der II. eine Krone zu Ehren der Götter anfertigen. Da er aber vermutete, dass der Goldschmied ihn bei der Hestellung betrogen und die Krone nicht aus reinem Gold hergestellt hatte, ließ der König den Mathematiker Archimedes rufen, um den Fall zu prüfen, ohne die Krone dabei zu beschädigen. Archimedes arbeitete hartnäckig an dem Problem.

Die Dichte von Gold war damals schon allgemein bekannt. Theoretisch hätte das Problem also leicht gelöst werden können, indem das Gewicht und das Volumen der Krone miteinander multipliziert und dann die errechnete Dichte der Krone mit der bereits bekannten Dichte von Gold verglichen worden wäre. Eine Abweichung hätte für den vermuteten Betrug gesprochen, eine Übereinstimmung für eine fälschliche Unterstellung. Die beiden Variablen mussten also zunächst einmal ermittelt werden, was im Falle des Gewichtes ganz einfach mit einer Waage gemessen werden konnte. Die Ermittlung des Volumens war jedoch nicht ganz so einfach, da die Krone eine unregelmäßige Form hatte und man sie nicht einfach einschmelzen und zu einem Quader formen konnte. Archimedes musste also einen neuen Weg zum Lösen dieser Aufgabe finden.

Der Mathematiker arbeitete konzentriert und ausdauernd an der Lösung des Problems, kam aber lange auf keinen grünen Zweig. Als er sich aber eines Tages eine Pause von der Arbeit gönnte, sich ein Bad einlaufen ließ und in die Badewanne stieg, fiel es ihm plötzlich wie Schuppen von den Augen. Er erkannte, dass der Wasserspiegel sich anhob, als er ins Wasser stieg. Sein Körper ließ genau soviel Wasser aus der randvollen Wanne überlaufen, wie das Volumen seines Körpers verdrängte. Und damit war die Lösung gefunden. Angeblich sei er aus Freude über die Erkenntnis nackt auf die Straße gerannt und hätte laut »Heureka!« geschrien, was auf griechisch »Ich habe es gefunden!« heißt. Des Problems Lösung war nämlich, dass die Krone einfach in ein Gefäß mit einer Flüssigkeit gelegt und das Volumen der verdrängten Flüssigkeit abgemessen werden musste. Auf diese Weise konnte Archimedes die Dichte der Krone errechnen, sie mit der Dichte von Gold vergleichen und damit beweisen, dass der Goldschmied tatsächlich ein Betrüger war. Gleichzeitig lieferte er uns eine schöne Geschichte zur Namensgebung des Heureka-Moments, der bei uns besser bekannt ist als das Aha-Erlebnis oder der Geistesblitz.

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