Dieser Text ist Teil der Diplomarbeit von Benjamin Wurster »Über Inspiration. Anregungen und Gedanken«. Alle Texte dieses Projektes werden unter der Kategorie Diploma veröffentlicht. Wer einen Überblick über die gesamte Arbeit bekommen möchte, beginnt man am besten beim Vorwort. Dieser Text gehört zum siebten Kapitel: Tun.

»Insbesondere beim handwerklichen Gestalten mit spürbarem Material wird eine Reihe von Sinnen bedient, die bei reiner Kopfarbeit nicht angesprochen werden«, schreiben Thomas und Martin Poschauko.

Thomas Poschauko und Martin Poschauko: Nea Machina. Die Kreativitätsmaschine. Next Edition, Mainz: Verlag Hermann Schmidt 2013, S. 103

Das Abtasten der Werkstoffe mit ihren unterschiedlichen Oberflächen, das Hören des Materials, wenn es mit den Händen bearbeitet wird, das Riechen von natürlichen Produkten und das Spüren des eigenen Körpers nach harter physischer Arbeit ist für die beiden Brüder ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit. Diese Dinge können den Geist erfrischen und bieten gutes Grundmaterial, aus dem gelegentlich Eingebungen geboren werden.

Frank Berzbach geht in Die Kunst ein kreatives Leben zu führen ebenfalls auf dieses Thema ein. Er schreibt:

»Die künstlerische Arbeit kennt viele Materialien, und wer eine Skulptur aus einem Steinblock befreien will, der macht reale Erfahrungen mit steinernen, nicht diskutierbaren Grenzen. […] Wer mit dem Kopf, aber nie mit seinen Händen arbeitet, der verfängt sich schnell in der Idee, die Welt sei vor allem eine Konstruktion unseres Gehirns.« 

Frank Berzbach: Die Kunst ein kreatives Leben zu führen. Anregungen zur Achtsamkeit, Mainz: Verlag Hermann Schmidt 2016, S. 64

Viele denken vielleicht, dass sie allmählich zu alt für das Basteln mit Papier und Schere seien, und dass aus diesen handwerklichen Übungen doch sowieso nur studentische Qualität herauskommen könne. In seinem Buch besteht Berzbach aber darauf, dass das Arbeiten mit realem Material durchaus professionell sein kann und auch zusätzliche Vorteile bietet.

»Und es ist keinesfalls ein intellektueller Rückschritt«, schreibt er, »die handwerkliche Arbeit verlangt von [einem] mehr Kreativität als die wissenschaftliche Auftragsarbeit, bei der oft Geldgeber bestimmen, was herauskommen soll. Dies vor allem deshalb, weil die handwerkliche Arbeit uns mit einer real existierenden Welt konfrontiert, die uns direktes und nicht diskutierbares Feedback über die Qualität unserer Leistung vermittelt.«

Berzbach 2016, S. 65

Auch wenn die Endprodukte, die letztlich beim Kunden landen, doch fast alle noch mit dem Computer bearbeitet und umgesetzt werden, lohnt es sich dennoch, immer mal wieder Abstand vom Rechner zu nehmen und eine kleine Fingerübung mit Stift und Papier dazwischen zu schieben. Vielleicht entsteht dabei ja zufällig ein wahres Meisterstück.

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