Dieser Text ist Teil der Diplomarbeit von Benjamin Wurster »Über Inspiration. Anregungen und Gedanken«. Alle Texte dieses Projektes werden unter der Kategorie Diploma veröffentlicht. Wer einen Überblick über die gesamte Arbeit bekommen möchte, beginnt man am besten beim Vorwort. Dieser Text gehört zum vierten Kapitel: Eingebung.

Und nun wird es interessant. Jesus hatte während seiner Zeit auf der Erde immer wieder vom Heiligen Geist als dem Helfer gesprochen, der seinen Platz einnehmen würde, wenn er selbst nicht mehr auf der Erde wäre. Im Johannes-Evangelium (eines von vier Büchern der Bibel, in dem vom Leben und Sterben von Jesus berichtet wird) sagt Jesus zu seinen engsten Vertrauten:

»Und der Vater wird euch an meiner Stelle einen anderen Helfer geben, der für immer bei euch sein wird; ich werde ihn darum bitten. Er wird euch den Geist der Wahrheit geben, den die Welt nicht bekommen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Aber ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein.«

Die Bibel (NGÜ), Johannes 14,16–17

Und zwei Kapitel später steht:

»Doch glaubt mir: Es ist gut für euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht von euch wegginge, käme der Helfer nicht zu euch; wenn ich aber gehe, werde ich ihn zu euch senden.« 

Die Bibel (NGÜ), Johannes 16,7

Nach seiner Auferstehung begegnete Jesus in einem kurzen Zeitraum noch einmal über fünfhundert Menschen, bevor er schließlich nach ein paar Tagen endgültig wieder zurück in den Himmel auffuhr. Seine Jünger (die engsten Vertrauten, die während der Zeit seines öffentlichen Wirkens ständig mit ihm unterwegs gewesen waren) beobachteten Jesu Himmelfahrt mit eigenen Augen und trafen sich in den folgenden Tagen immer wieder in einem Haus in Jerusalem. Als sie eines Tages wieder dort zusammenkamen, erfüllte sich das, was Jesus vorher immer wieder über den Heiligen Geist gesagt hatte. Lukas, der Verfasser der Apostelgeschichte (ein Buch der Bibel, in dem von der ersten Zeit nach der Auferstehung von Jesus berichtet wird), beschreibt das Ereignis folgendermaßen:

»Plötzlich ertönte vom Himmel ein Brausen wie das Rauschen eines mächtigen Sturms und erfüllte das Haus, in dem sie versammelt waren. Dann erschien etwas, das aussah wie Flammen, die sich zerteilten, wie Feuerzungen, die sich auf jeden Einzelnen von ihnen niederließen. Und alle Anwesenden wurden vom Heiligen Geist erfüllt und fingen an, in anderen Sprachen zu sprechen, wie der Heilige Geist es ihnen eingab.«

Die Bibel (NGÜ), Apostelgeschichte 2,2–4

Diese sogenannte Ausgießung des Heiligen Geistes wird heute an Pfingsten gefeiert.

Der schweizerische Pastor und Buchautor Leo Bigger schreibt in seinem Buch Geist Gottes, was mit Hilfe des Heiligen Geistes alles möglich ist.

»Streiche die Wörter ›nie‹ oder ›unmöglich‹ aus deinem Leben«, schreibt Bigger. »[…] Der Heilige Geist kann uns Ideen schenken, die uns nie in den Sinn kommen würden, und kann uns Wege aufzeigen, wie wir Dinge, die wir uns nicht zutrauen, tun können.«

Leo Bigger: Geist Gottes, Ein Buch über Heiligkeit, Gottes Kraft und Gegenwart, Basel: Fontis – Brunnen 2015, S. 87

An anderer Stelle legt Bigger dem Geist Gottes folgende Worte in den Mund:

»Ich bin deine Inspiration. Es gibt so viel mehr zu entdecken. Ein neuer Horizont ist in Sicht. Frage mich nach dem Weg. Ich zeige ihn dir. Dein Heiliger Geist.«

Bigger 2015, S. 87

Mit Hilfe des Heiligen Geistes können also göttliche Eingebungen – also Inspiration von oben – empfangen werden. Diese übernatürliche Inspiration ist nicht irgendein mystischer Brauch, der nur in der Antike praktiziert wurde, es ist eine tatsächlich erfahrbare Realität, die jedem zur Verfügung steht, der sich darauf einlassen möchte. Es gibt auch heute noch sehr viele Berichte von Menschen, die das übernatürliche Wirken des Heiligen Geistes in ihrem täglichen Leben erfahren haben. 

Leider gibt es trotzdem sehr viele christliche Kirchen in unserer Gesellschaft, die die Existenz und das Wirken des Heiligen Geistes abstrahieren. Über die Dreieinigkeit wissen die meisten theoretisch Bescheid, aber dass der Heilige Geist real erfahrbar ist, glauben viele nicht. Francis Chan geht in Der unterschätzte Gott genau auf diese Problematik ein.

Wenn wir auf einer einsamen Insel geboren wären, schreibt Chan in seiner Einleitung, wenn wir unser ganzes Leben lang nur die Bibel zu lesen bekommen hätten, nie die Traditionen und Konventionen heutiger Kirchen kennengelernt hätten und schließlich heute eine durchschnittliche Kirche besuchen würden, wären wir mit ziemlicher Sicherheit völlig geschockt davon, wie der Heilige Geist im Denken vieler Christen und im Alltag vieler Kirchen unserer Gesellschaft völlig fehlt. Wenn wir dagegen die Anfänge der christlichen Kirche in der Apostelgeschichte nachlesen, sehen wir, dass der Heilige Geist zu Beginn eine ganz entscheidende Rolle gespielt hat. Damals hätte sich sicher niemand vorstellen können, dass es überhaupt möglich wäre, diesen Protagonisten fast komplett aus der Institution Kirche streichen zu können. 

Vgl.: Francis Chan: Der unterschätzte Gott. Den Heiligen Geist neu entdecken, Ingolstadt: LUQS Verlag 2016, S. 5

Man kann zwar als Christ auch ohne die Gaben des Heiligen Geistes leben – es ist definitiv nicht das, worum es im Grundsatz geht –, so gesehen ist es aber dumm, dieses außergewöhnliche Geschenk nicht anzunehmen und freiwillig auf diese übernatürlichen Erfahrungen zu verzichten.

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