5.4 Gehirnwellen

Dieser Text ist Teil der Diplomarbeit von Benjamin Wurster »Über Inspiration. Anregungen und Gedanken«. Alle Texte dieses Projektes werden unter der Kategorie Diploma veröffentlicht. Wer einen Überblick über die gesamte Arbeit bekommen möchte, beginnt man am besten beim Vorwort. Dieser Text gehört zum fünften Kapitel: Einsicht.

Wenn Zellen des menschlichen Gehirns (Neuronen) aktiv sind, erzeugen sie – je nach Vorgang – unterschiedliche elektrische Impulse. Diese Aktivität kann heute über die sogenannte Elektroenzephalografie (EEG) gemessen werden, wobei Spannungsschwankungen an der Kopfoberfläche aufgezeichnet und entsprechend grafisch dargestellt werden. Diese Darstellungen können anschließend von Wissenschaftlern auf auffällige Muster untersucht und ausgewertet werden. Je nach Bewusstseinszustand und Denkaktivität zeigt das EEG Wellen in unterschiedlichen Frequenzen an, welche grundsätzlich nach Frequenzbereich aufsteigend in fünf Kategorien eingeteilt werden: Delta-, Theta-, Alpha-, Beta- und Gamma-Wellen. 

Die niedrig frequentierten Delta-Wellen treten bei gesunden Menschen hauptsächlich in der traumlosen Tiefschlafphase auf. Die etwas schnelleren Theta-Wellen sind typisch in leichteren Schlafphasen und bei Schläfrigkeit. Alpha-Wellen treten bei leichter Entspannung und zum Beispiel bei geschlossenen Augen auf; sozusagen im entspannten Wachzustand. Kounios und Beeman beschreiben diese Gehirnwellen folgendermaßen:

»Wenn Neuronen auf der langsameren Alpha-Frequenz feuern, verarbeiten sie gerade nicht aktiv Informationen. Genau so, wie wenn Sie bei Ihrem Auto den Gang rausnehmen. Das Auto arbeitet, aber es fährt nirgendwohin. Alpha ist der Leerlauf der Neuronen.«

Mark Beeman und John Kounios: Das Aha!-Erlebnis. Wie plötzliche Einsichten entstehen und wie wir sie erfolgreich nutzen, München: Deutsche Verlags-Anstalt 2015, S. 111

Alpha-Wellen werden beispielsweise dann durch Beta-Wellen ersetzt, wenn bei geschlossenen Augen angefangen wird, eine leichte Rechenaufgabe zu lösen. Ebenfalls typisch sind Beta-Wellen bei konstantem Anspannen eines Muskels. Und zu guter letzt die hoch frequentierten Gamma-Wellen.

Diese »repräsentieren kognitive Verarbeitung im Gehirn, zum Beispiel wenn die Aufmerksamkeit auf etwas gerichtet oder verschiedene Informationen miteinander verknüpft werden«, schreiben Kounios und Beeman.

Beeman / Kounios 2015, S. 94

Dieses Grundwissen über Gehirnwellen im Allgemeinen hilft uns, eine weitere Entdeckung der Einsichtsforscher John Kounios und Mark Beeman besser zu verstehen. Sie schreiben in Das Aha!-Erlebnis:

»Wir stellten fest, dass im selben Moment, in dem jemandem eine Lösung als Einsicht ins Bewusstsein schießt, von Elektroden dicht über dem rechten Ohr ein plötzlicher Ausbruch hochfrequenter EEG-Aktivität, bekannt als ›Gamma-Wellen‹, gemessen werden kann. […] Diese Aktivität war bei analytischen Lösungen nicht vorhanden.«

Beeman / Kounios 2015, S. 94

Interessant hierbei ist, dass die Gehirnaktivität nicht in beiden Gehirnhälften gemessen wurde, sondern nur in der rechten. Eventuell lohnt es sich, die beiden Gehirnhälften genauer anzuschauen.

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