Dieser Text ist Teil der Diplomarbeit von Benjamin Wurster »Über Inspiration. Anregungen und Gedanken«. Alle Texte dieses Projektes werden unter der Kategorie Diploma veröffentlicht. Wer einen Überblick über die gesamte Arbeit bekommen möchte, beginnt man am besten beim Vorwort. Dieser Text gehört zum sechsten Kapitel: Abstand.

Das Gebet ist ein oft unterschätztes Mittel, um entsprechenden Abstand zur eigenen Arbeit zu gewinnen. Gebet bedeutet, in persönlichen Kontakt mit Gott zu treten und ihm alles unter vier Augen anzuvertrauen. Dazu ist kein Vermittler nötig, und es muss kein spezieller Ort, wie zum Beispiel eine Kirche, aufgesucht werden. Es kann überall und in jeder Situation in Anspruch genommen werden; gut geplant oder spontan, wohl formuliert oder geradewegs aus dem Bauch heraus. Es gibt keine Regeln, es muss nur ernst gemeint sein.

Wie aber schafft es das Gebet, Abstand von einer Sache zu erzeugen? Allein das bewusste Aussprechen des Problems, das einen im Moment beschäftigt, und das konkrete Abgeben dieser Sache im Gebet, hilft schon dabei, Abstand zu gewinnen. Aber auch ein entsprechendes Abschweifen im Gebet, also beispielsweise das Beten für andere Personen, hilft dabei, den Blick zu erweitern und zu erkennen, dass die eigenen Probleme gar nicht so groß sind, wie sie einem vorkommen. Konkret bedeutet das, dass man immer wieder kurze Pausen in seine Arbeit einbauen kann, in denen man kurz zur Ruhe kommt, seine Gedanken ordnet und sie vor Gott bringt. Diese Bittgebete müssen auch nicht zwingend laut ausgesprochen werden, sie können genauso gut in der Stille und in den eigenen Gedanken stattfinden. Gott wird sie trotzdem hören. 

Ich persönlich kombiniere das Gebet gerne mit dem Gehen, das im nächsten Abschnitt näher beschrieben wird. Durch die stetige Bewegung können meine Gedanken abschweifen und ich kann immer wieder bewusst zum Gebet zurückkommen und mich neu fokussieren. Das eigentlich Beste am Gebet als Form des Abschaltens ist, dass man nicht mehr alleine für das Ergebnis seiner Arbeit verantwortlich ist, wenn man sie vor Gott bringt und ihm die Kontrolle darüber gibt. Gott wird das Ruder übernehmen. Dabei muss man sich aber auch im Klaren sein, dass das Ergebnis ganz anders werden könnte als man es sich vorher vorgestellt hat. Dieses Abgeben der Kontrolle ist natürlich ein Schritt, der viel Mut erfordert und definitiv nicht einfach ist. Er wird aber mit Sicherheit belohnt werden, da Gott immer nur das Beste für einen möchte.

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