Dieser Text ist Teil der Diplomarbeit von Benjamin Wurster »Über Inspiration. Anregungen und Gedanken«. Alle Texte dieses Projektes werden unter der Kategorie Diploma veröffentlicht. Wer einen Überblick über die gesamte Arbeit bekommen möchte, beginnt man am besten beim Vorwort. Dieser Text gehört zum vierten Kapitel: Eingebung.

Aber was genau ist gemeint, wenn von den Gaben des Heiligen Geistes gesprochen wird? In seinem ersten Brief an die griechische Gemeinde in Korinth gibt der Apostel Paulus, der selbst durch ein übernatürliches Ereignis zum Glauben gekommen war (Die Bibel, Apostelgeschichte 9,1–19), eine detaillierte Antwort auf diese Frage. Über die verschiedenen Gaben des Geistes schreibt er:

»Bei jedem zeigt sich das Wirken des Geistes auf eine andere Weise, aber immer geht es um den Nutzen der ganzen Gemeinde. Dem einen wird durch den Geist die Fähigkeit geschenkt, Einsichten in Gottes Weisheit weiterzugeben. Der andere erkennt und sagt mit Hilfe desselben Geistes, was in einer bestimmten Situation zu tun ist. Einem dritten wird – ebenfalls durch denselben Geist – ein besonderes Maß an Glauben gegeben, und wieder ein anderer bekommt durch diesen einen Geist die Gabe, Kranke zu heilen. Einer wird dazu befähigt, Wunder zu tun, ein anderer, prophetische Aussagen zu machen, wieder ein anderer, zu beurteilen, ob etwas vom Geist Gottes gewirkt ist oder nicht. Einer wird befähigt, in Sprachen zu reden, die von Gott eingegeben sind, und ein anderer, das Gesagte in verständlichen Worten wiederzugeben. Das alles ist das Werk ein und desselben Geistes, und es ist seine freie Entscheidung, welche Gabe er jedem Einzelnen zuteilt.« 

Die Bibel (NLB), 1. Korinther 12,7–11

Zunächst fällt einmal auf, ist, dass Paulus jeweils am Anfang und am Ende darauf hinweist, dass die Gaben des Heiligen Geistes nicht egoistisch eingesetzt werden können, und dass man nicht selbst entscheiden kann, welche Gabe man gerne in welcher Situation zur Verfügung gestellt bekommen hätte. Außerdem ist auch interessant, dass nicht jeder immer das ganze Buffet zur Auswahl hat, sondern dass der Geist selbst entscheidet, welche Gabe gerade in einem bestimmten Moment benötigt wird. Es kann also nicht erwartet werden, dass man mit der Erfüllung durch den Heiligen Geist auf einmal die Vollmacht dazu bekommt, übernatürliche Wunder zu vollbringen, nur um andere zu beeindrucken oder um einen persönlichen Vorteil daraus zu ziehen. Die entsprechende innere Haltung muss gegeben sein, und der Sinn hinter dem Vorhaben muss mit dem Wort Gottes übereinstimmen.

Die verschiedenen Gaben des Heiligen Geistes werden von Theologen gerne in drei Kategorien eingeteilt: 1. Die Gaben der Offenbarung (zeigen etwas auf): Weisheit, Erkenntnis, Unterscheidung der Geister; 2. Die Gaben der Kraft (bewirken etwas): Glaube, Heilung, Wunder; 3. Die Gaben der Inspiration oder die Sprachengaben (teilen etwas mit): Prophetie, verschiedene Sprachen, Auslegung der Sprachen. Alle diese Gaben an dieser Stelle differenziert zu behandeln, würde den Rahmen dieses Buches natürlich sprengen und würde auch zu weit führen. Aber auf die Gabe der Erkenntnis im Speziellen möchte ich etwas detaillierter eingehen, da sie meiner Meinung nach dem klassischen Verständnis von Inspiration am nächsten kommt. 

Paulus schreibt im oben zitierten Text: »Der andere erkennt und sagt mit Hilfe desselben Geistes, was in einer bestimmten Situation zu tun ist.« In einer anderen Bibelübersetzung heißt es:

»[…] einem anderen verleiht er die Gabe besonderer Erkenntnis.«

Die Bibel (NLB), 1. Korinther 12,8

Eine praktische Anwendung der Erkenntnisgabe bedeutet also, in einer speziellen Situation genau zu wissen, was zu tun ist. Gott kann einem Menschen durch seinen Geist die Augen öffnen und ihm einen Teil seines Allwissens eingeben. Diese Erkenntnisse können entweder Bedeutung für die Vergangenheit, die Gegenwart oder die Zukunft haben, denn Gott steht bekanntlich über unserem begrenzten, menschlichen Zeitverständnis. 

In der Praxis können sich diese erkenntnisreichen Eingebungen auf unterschiedlichste Weisen offenbaren. Zum Beispiel kann dies durch einen klassischen Geistesblitz geschehen.

»Blitzgedanken, so viel habe ich gelernt, sind des Öfteren vom Heiligen Geist«, schreibt Leo Bigger.

Leo Bigger: Geist Gottes, Ein Buch über Heiligkeit, Gottes Kraft und Gegenwart, Basel: Fontis – Brunnen 2015, S. 57

Besonders deutliche Träume, an die man sich am nächsten Tag detailliert erinnern kann, können auch eine Form sein, wie Gott durch seinen Geist zu Menschen spricht. Bigger zählt in Geist Gottes noch einige andere Möglichkeiten auf, wie sich göttliche Eingebungen zeigen können:

»Durch ein inneres Gedankenbild, eine innere Stimme, eine akustisch wahrnehmbare Stimme, durch ein Gefühl, einen Bibelvers oder einen Geruch. Durch eine körperliche Reaktion, bei der du zum Beispiel die Schmerzen einer anderen Person spürst; durch die Natur oder durch Musik. Der Geist Gottes kennt da keine Grenzen.«

Bigger 2015, S. 60

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