Dieser Text ist Teil der Diplomarbeit von Benjamin Wurster »Über Inspiration. Anregungen und Gedanken«. Alle Texte dieses Projektes werden unter der Kategorie Diploma veröffentlicht. Wer einen Überblick über die gesamte Arbeit bekommen möchte, beginnt man am besten beim Vorwort. Dieser Text gehört zum fünften Kapitel: Einsicht.

»Über Orte nachzudenken, die weit weg sind, Menschen, die anders sind als Sie, Dinge, die in ferner Zukunft liegen, und Szenarien, die sich von Ihrer aktuellen Realität unterscheiden, erweitert Ihre Aufmerksamkeit und fördert kreative Einsicht«, schreiben die Neurowissenschaftler.

Mark Beeman und John Kounios: Das Aha!-Erlebnis. Wie plötzliche Einsichten entstehen und wie wir sie erfolgreich nutzen, München: Deutsche Verlags-Anstalt 2015, S. 235

Das Nachdenken über weit Entferntes erweitert die Denkweise und lässt einen das Ganze überblicken. Wie bei der guten Laune auch, geben sich dadurch ungewöhnliche Verknüpfungen und Zusammenhänge zu erkennen, die bei einem verengten Horizont im Verborgenen bleiben.

Auch die Biologin Julia Fischer schreibt in ihrem Essay Morgenstunde, dass sie oft über entfernte Orte nachdenkt und sich von deren Distanz beeinflussen lässt.

»Die schönsten Morgenstunden habe ich in Afrika erlebt«, schreibt sie. »In meiner kleinen Göttinger Küche versuche ich, zurück in die afrikanische Savanne zu schlüpfen (ohne Raubtiere allerdings) und die Weite wirken zu lassen.«

Julia Fischer: Morgenstunde, in: Christoph Markschies und Ernst Osterkamp (Hg.): Vademekum der Inspirationsmittel, Göttingen: Wallstein Verlag 2012, S. 95

Wenn man sich schon nicht tatsächlich ständig auf Reisen begeben kann, lohnt eventuell ein gelegentliches Abschweifen der Gedanken an die entlegensten Orte dieser Welt.

In das Aha!-Erlebnis geben John Kounios und Mark Beeman einen umfassenden Einblick in ihre Einsichtsforschungen und erklären Arbeitsweisen des Gehirns auf leicht verständliche Weise. Die vielen Ratschläge, wie die Häufigkeit von Inspiration durch das eigene Unterbewusstsein gesteigert werden kann, habe ich versucht in diesem Kapitel zusammenzufassen. Die Augen können immer wieder kurz geschlossen werden, eine allgemeine offene Geisteshaltung kann eingenommen werden, und eine positive Grundstimmung stellt sich als durchaus hilfreich heraus.

»Um also kreatives Denken zu ermöglichen, sollten Sie sich ungewöhnliche Leute, alternative Realitäten und die ferne Zukunft vorstellen«, schreiben Kounios und Beeman. »Denken Sie an einen geliebten Menschen. Genießen sie die Vorstellung – und erweitern Sie sie. Besuchen Sie – in Wirklichkeit oder im Geiste – entfernte Orte und Kulturen. Malen Sie sich aus, ›wie der Frühling auf dem Jupiter oder dem Mars ist‹«.

Beeman / Kounios 2015, S. 238

Vielleicht hilft dieses Wissen dem Unterbewusstsein dabei, den bewussten Verstand häufiger durch einen Moment der Einsicht zu inspirieren. Im folgenden Teil dieses Buches geht es um die konkrete Anwendung der verschiedenen Arten von Inspiration im Alltag. Zunächst einmal: der Abstand zur Arbeit.

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