Dieser Text ist Teil der Diplomarbeit von Benjamin Wurster »Über Inspiration. Anregungen und Gedanken«. Alle Texte dieses Projektes werden unter der Kategorie Diploma veröffentlicht. Wer einen Überblick über die gesamte Arbeit bekommen möchte, beginnt man am besten beim Vorwort. Dieser Text gehört zum zweiten Kapitel: Inspiration.

Unter dem Punkt Inspiration steht im New Princeton Encyclopedia of Poetry and Poetics, dass durch die Entstehung der Wissenschaften im siebzehnten Jahrhundert und durch die Entstehung der Psychologie im achtzehnten Jahrhundert der Ort der Inspiration von außen nach innen übertragen wurde. Die Quelle der Inspiration sei nun das Unterbewusste geworden.

Vgl.: T. V. F. Brogan und Alex Preminger (Hg.): The New Princeton Encyclopedia of Poetry and Poetics, Princeton: Princeton University Press 1993, S. 609

Markschies und Osterkamp schreiben in Vademekum der Inspirationsmittel:

»An die Stelle der Kategorie der Inspiration tritt nun diejenige des Einfalls. Wenn die intellektuelle Erleuchtung, die Eingebung und plötzliche Einsicht nicht mehr von außen und von oben kommt, verdankt sie sich allein einer nicht kalkulierbaren seelischen Gemengelage, in der Bewusstes und Unbewusstes, Begriffliches und Unbegreifliches, Verstand und Gefühl auf unendlich komplexe Weise ineinandergreifen.«

Christoph Markschies und Ernst Osterkamp (Hg.): Vademekum der Inspirationsmittel, Göttingen: Wallstein Verlag 2012, S. 12

Streng genommen kann bei einem Einfall nicht mehr von Inspiration gesprochen werden. Zumindest nicht mit den gleichen Voraussetzungen wie bisher. Wenn man davon ausgeht, dass für Inspiration, also für den Akt des Einhauchens, immer ein externer Impulsgeber beteiligt sein muss, kann der Einfall nur dann eine Form der Inspiration sein, wenn nun das Unterbewusstsein die Rolle des externen internen Beteiligten einnimmt. Im Normalfall geschieht dies dann durch einen sogenannten Moment der Einsicht, also einen Geistesblitz oder ein Aha-Erlebnis. Dazu aber später in Kapitel fünf mehr.

Viele Künstler und Kreative behaupten heute, dass sie keinerlei Inspiration bedürfen. Alles, was sie erschaffen, ihr gesamtes Werk, stamme aus ihren eigenen Gedanken. Der intellektuelle und aufgeklärte Mensch will sich eben heute nicht mehr von undurchsichtigen und übernatürlichen Phänomenen lenken lassen und auf Einwirkungen von außen vertrauen. Der Künstler will heute sein eigener Herr und selbst verantwortlich für sein Handeln sein. Er will selbst das Original sein. In Wirklichkeit beeinflusst aber jede Kleinigkeit, jede Umgebung und jede Alltagssitiuation das Unterbewusstsein des kreativ Arbeitenden. Man kann sich nicht komplett von allen Einflüssen zurückziehen, auch wenn man bewusst nichts davon aufnehmen will. Das Unterbewusste speichert und ordnet trotzdem mehr in irgendwelchen Schubladen ab, als man sich tatsächlich bewusst ist. Und aus dem Unterbewusstsein brechen dann irgendwann plötzlich Einfälle hervor, die den Anschein haben, komplett ohne Inspiration ausgekommen zu sein. Kreativität kommt nie ganz ohne Inspiration aus. Manchmal ist sie eben un(ter)bewusst.

Was im Gehirn bei der Inspiration durch Einsicht genau vor sich geht, können Neurowissenschaftler heute noch nicht im Detail erklären. Es wurde aber schon sehr viel Interessantes herausgefunden. In Kapitel fünf werde ich versuchen einige bisher bekannte Forschungsergebnisse wiederzugeben, die bei kreativem Arbeiten von Vorteil sein können.

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