Drei Aspekte: Einfluss / Eingebung / Einsicht

Drei Aspekte: Einfluss / Eingebung / Einsicht

Seit ein paar Jahren beschäftige ich mich nun intensiv mit dem Thema der Inspiration. Zur Vorbereitung auf meine Diplomarbeit fing ich damals an, Bücher zum Prozess der Kreativität und speziell zum Akt der Inspiration zu lesen. Auch persönlich wollte ich Erfahrungen machen und suchte konkret nach Inspirationsquellen, die ich bisher noch nicht kannte.

In dieser Zeit der Lektüre und Recherche, konnte ich viel lernen und auch praktische Erfahrungen sammeln. Ich lernte einige Facetten von Inspiration kennen, die ich vorher nicht kannte oder nicht bedacht hatte. Durch die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema, erweiterte sich mein Horizont. Auch heute noch lerne ich immer wieder Neues zum Thema, das ich anschließend versuche, praktisch umzusetzen.

Ein Definitionsversuch

Im Rahmen meiner Diplomarbeit suchte ich auch immer wieder nach einer angemessenen Definition zum Begriff der Inspiration. Alle Erklärungen, die ich dabei fand, gingen mir aber nicht tief genug. Nach allem was ich bereits über Inspiration gelernt hatte, beantworteten sie meiner Meinung nach noch zu wenige offene Fragen. 

Ich habe deshalb versucht, all diese Facetten und Gedanken, die ich bereits kennengelernt habe, in meiner eigenen kompakten Definition zusammenzufassen. Mein Ziel war es dabei, Antworten auf die Fragen nach dem Was?, Warum?, Wie?, Wer? und dem Woher? in möglichst kurzer Form zu geben. 

Inspiration ist ein Moment der Kreativität, der etwas Neues in Form einer Idee, eines Auftrages oder einer Lösung zur Folge hat. Inspiration findet spontan statt und kann nicht geplant werden; die Umstände dafür können lediglich optimiert werden. Inspiration bedarf einen der drei folgenden (externen) Impulsgeber: 1. Einfluss (Inspiration von außen); 2. Eingebung (Inspiration von oben); 3. Einsicht (Inspiration von innen).

Mit dieser Definition befasse ich mich im Detail in meinem Text „Definition von Inspiration: Drei Fragen, drei Antworten“.

Im vorliegenden Text geht es mir nun im Besonderen um den dritten und letzten Satz der Definition: „Inspiration bedarf einen der drei folgenden (externen) Impulsgeber: 1. Einfluss (Inspiration von außen); 2. Eingebung (Inspiration von oben); 3. Einsicht (Inspiration von innen).“ Dieser Satz beantwortet die Frage nach dem Wodurch?. Wodurch werde ich inspiriert und welche Art von (externen) Impulsgebern gibt es?

Drei Aspekte

Ich habe drei Aspekte von Inspiration definiert, in die man – meiner persönlichen Erfahrung nach – jeden Moment der Inspiration einordnen kann. Diese drei (externen) Impulsgeber sind: 

  • Einflüsse, die uns von außen reizen (Inspiration von außen), 
  • übernatürliche Eingebungen durch ein höheres Wesen (Inspiration von oben) und 
  • Einsichten, die aus dem eigenen Unterbewusstsein entspringen (Inspiration von innen). 

In den folgenden drei Abschnitten werde ich diese drei Aspekte von Inspiration kurz erläutern.

Der erste Aspekt von Inspiration: Einfluss

1. Inspiration von außen: Einfluss

Die offensichtlichsten und wahrscheinlich häufigsten Impulsgeber für Inspiration sind äußere Einflüsse. Diese Einflüsse von außen können alles sein, das wir mit unseren Sinnen wahrnehmen können. Wir sehen, hören, fühlen, riechen oder schmecken etwas. Alles wird von unserm Verstand und unserem Unterbewusstsein wahrgenommen, gefiltert und verarbeitet. Manches stößt dabei einen Gedanken an, der uns auf eine neue Idee bringt – dies ist der Moment der Inspiration im Sinne eines Einflusses. 

Auch das gesprochene Wort, aufgezeichnetes Wissen und Verhaltensmuster von Mitmenschen, beeinflussen uns von außen. Einflüsse und Reize begegnen uns ständig in unserem Alltag. 

Doch nicht alles, das wir wahrnehmen, ist auch gut für uns. Wir müssen aufpassen, dass Einflüsse nicht zum Überfluss werden und uns sogar davon abhalten, inspiriert zu werden. Es geht darum, einen gesunden und Inspirations-fördernden Umgang mit Einflüssen zu finden, die einem im Alltag begegnen. Die Frage ist: Welchen äußeren Einflüssen setze ich mich bewusst aus und welchen nicht? 

Viele Inspirationsmomente wirken zunächst wie ein Einfluss von außen. In manchen Fällen ändert sich aber die eigene Perspektive, wenn man sich näher damit beschäftigt und hinterfragt, ob nicht doch noch ein anderer Impulsgeber dahinter stecken könnte. 

Der zweite Aspekt von Inspiration: Eingebung

2. Inspiration von oben: Eingebung

Inspiration im Sinne einer übernatürlichen Eingebung ist der zweite Impulsgeber für Inspiration. Diese Form der Inspiration ist begriffsgeschichtlich auch die ursprünglichste. Auch wenn der Begriff heute nur noch selten in diesem Zusammenhang verwendet wird, der ursprüngliche Akt der Inspiration ist folgender: Eine Gottheit haucht ihren Atem (einen Gedanken, ein Auftrag, ein Bild, eine Prophetie) in einen Menschen ein. 

Für viele erscheint dieses Konzept heute sicherlich sehr veraltet und mittelalterlich. Viele lassen Eingebungen in ihrem Inspirations-Alltag deshalb auch weitestgehend außen vor, da sie persönlich nichts mehr damit anfangen können. Nach der heutigen, aufgeklärten Weltanschauung ist Übernatürliches nicht mehr relevant. Glaube ist etwas für die Schwachen und Dummen; Übernatürliches ist wissenschaftlich nicht erklärbar. 

Trotzdem hört man immer wieder von Menschen, die von ganz konkreten, übernatürlichen Erlebnissen berichten. Diese Eingebungsberichte sind nicht abhängig von Religionszugehörigkeit, Bildungsschicht oder Nationalität. Auch in meinem Umfeld kenne ich viele Personen, die selbst schon Inspiration im Sinne übernatürlicher Eingebungen erlebt haben.

Für mich ist der Gedankengang auch logisch: Wer davon ausgeht, dass es einen Gott gibt, dem seine Geschöpfe nicht gleichgültig sind, muss auch davon ausgehen, dass dieser mit ihnen kommunizieren möchte. 

Der dritte Aspekt von Inspiration: Einsicht

3. Inspiration von innen: Einsicht

Der dritte Impulsgeber für den Akt der Inspiration und damit der dritte Aspekt ist die sogenannte Einsicht. Als Einsicht bezeichnet man eine plötzlich aufsteigende Erkenntnis, die durch das eigene Unterbewusstsein hervorgerufen wird. In diesem Fall ist also der externe Impulsgeber für Inspiration das eigentlich interne Unbewusstsein. 

In der Umgangssprache wird ein solcher Einsichtsmoment auch oft Geistesblitz genannt. Aus für einen selbst unerklärlichen Gründen steigt einem plötzlich ein Gedanke in den Kopf, der das Bild mit einem Mal vervollständigt. Ohne dass man weiß, woher der Gedanke kam oder was einen dorthin geführt hat.

Im Vorwort des Buches Vademekum der Inspirationsmittel schreiben die Herausgeber Christoph Markschies und Ernst Osterkamp ebenfalls über diesen Aspekt der Inspiration:

„Wenn die intellektuelle Erleuchtung, die Eingebung und plötzliche Einsicht nicht mehr von außen und von oben kommt, verdankt sie sich allein einer nicht kalkulierbaren seelischen Gemengelage, in der Bewusstes und Unbewusstes, Begriffliches und Unbegreifliches, Verstand und Gefühl auf unendlich komplexe Weise ineinandergreifen.“

Christoph Markschies und Ernst Osterkamp (Hg.): Vademekum der Inspirationsmittel, Göttingen: Wallstein Verlag 2012, S.12.

Auch wenn der Prozess der plötzlichen Erkenntnis aus dem eigenen Inneren extrem komplex ist, gibt es immer mehr Neurowissenschaftler, die auf diesem Feld forschen und auch neue Entdeckungen machen. Es wurde beispielsweise herausgefunden, dass die eigene emotionale Verfassung, die eigene Geisteshaltung und auch das Umfeld ausschlaggebend für die Chance auf einsichtsvolle Momente ist. Es gibt also auch hier einiges zu lernen und einiges zu optimieren, um in Zukunft ein inspirierteres Leben zu führen.

Ich werde auf hier bald ergänzende Texte zu den einzelnen Aspekten Einfluss, Eingebung und Einsicht veröffentlichen. Wenn du keinen Beitrag verpassen möchtest, melde dich gerne hier zu meinem Newsletter an.

Inspiration auf mehreren Ebenen

Zusammenfassend sind dies also die drei Herkunftsrichtungen von Inspiration – der Einfluss von außen, die Eingebung von oben und die Einsicht von innen. Jeder dieser Aspekte agiert auf einer anderen Ebene. Und jeder Inspirationsmoment lässt sich einem dieser Aspekte zuordnen.

Wie vorher schon erwähnt, kann es manchmal auch schwierig sein, einen Moment der Inspiration einem einzelnen Aspekt zuzuordnen. Teilweise verlaufen die Grenzen fließend und die Herkunftsrichtungen der Impulse gehen ineinander über. Beispielsweise könnte man durch ein Bild zu einer neuen Idee inspiriert werden. Später, nach einer Betrachtung der gesamten Situation, stellt man dann fest, dass hinter diesem vermeintlichen Zufall ein durchdachter Plan einer höheren Macht gesteckt haben muss.

Fragen für den Alltag

Um die Chance zu erhöhen, im Alltag inspiriert zu werden, sollte man sich also nicht allein auf den Aspekt der äußeren Einflüsse verlassen. Man sollte immer wieder einen Schritt zurückgehen und versuchen, auf allen drei Ebenen der Inspiration empfangsbereit zu sein. Dies lässt sich im Alltag umsetzen, indem man sich immer wieder die Fragen stellt:

  • Von welchen äußeren Reizen und von welchen Personen lasse ich mich beeinflussen? Welche Einflüsse versuche ich dagegen auszublenden? 
  • Wie kann ich übernatürlichen Eingebungen gegenüber offener werden? Wie kann ich diese besser erkennen und einordnen?
  • Welche Gewohnheiten und Rituale kann ich in meinem Alttag einführen oder so verändern, dass Einsichtsmomente häufiger vorkommen?

Ich hoffe, dass ich mit meinem Blog einige Anregungen zum Beantworten dieser Fragen liefern kann.


Fragen, Anregungen, Ergänzungen, Kritik

Nun ist deine Meinung gefragt. Stimmst du mit mir in allen Punkten überein? Was siehst du anders? Besonders interessiert mich auch: Auf welche Punkte sollte ich in weiterführenden Texten besonders eingehen? Was interessiert dich am meisten?

Schreib es unten in die Kommentare – ich bin gespannt.


ist Diplom-Kommunikationsdesigner aus dem Süden Deutschlands. Seit Januar 2019 schreibt er auf diesem Blog zum Thema Inspiration.

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