Dieser Text ist Teil der Diplomarbeit von Benjamin Wurster »Über Inspiration. Anregungen und Gedanken«. Alle Texte dieses Projektes werden unter der Kategorie Diploma veröffentlicht. Wer einen Überblick über die gesamte Arbeit bekommen möchte, beginnt man am besten beim Vorwort. Dieser Text gehört zum siebten Kapitel: Tun.

Bei Tätigkeiten, die hauptsächlich am Computer verrichtet werden, gestaltet sich Ablenkung durch verschiedene Kommunikationsmittel – eingehende E-Mails, Kurznachrichten, Soziale Medien – ebenfalls als großes Hindernis für konzentriertes und inspiriertes Arbeiten. Auch hier haben sich verschiedene Personen unterschiedliche Herangehensweisen ausgedacht, um der ständigen Versuchung zu widerstehen, alles beim Eintreffen umgehend bearbeiten zu müssen.

»Ein unhintergehbares Gesetz«, schreibt Horst Bredekamp, »gegen das sich kaum jemand zu stellen traut, besagt, dass jeder Tag, an dem auch nur eine E-Mail geschrieben wurde, für das schöpferische Denken verloren ist.«

Horst Bredekamp: Die Marsch, in: Christoph Markschies und Ernst Osterkamp (Hg.): Vademekum der Inspirationsmittel, Göttingen: Wallstein Verlag 2012, S. 92

Nicht ganz so radikal wie der Kunsthistoriker sieht es die Schriftstellerin Juli Zeh, eine strenge Angewohnheit hat sich trotzdem bei ihr etabliert. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung meinte sie:

»Was Ablenkung betrifft: Als sehr effektiv hat es sich erwiesen, wenn der Rechner nicht am Netz ist, ich aber gelegentlich übers Handy etwas nachgucken kann.«

Zitiert in Mason Currey und Arno Frank: Mehr Musenküsse. Die täglichen Rituale berühmter Künstler, Zürich / Berlin: Kein & Aber AG 2015, S. 78

Und auch Anthony Burrill mag es nicht, wenn den ganzen Tag über E-Mails herein flattern. Er hat sich deshalb ebenso eine Technik einfallen lassen, mit der er immer wieder lange Phasen der Konzentration gewährleisten kann. In seinem Buch schreibt er:

»Ich versuche lieber meine [E-Mails] dreimal am Tag abzurufen und kurze Antwortphasen zu haben, als den ganzen Tag online zu sein und E-Mails vor und zurück zu feuern, was sehr zeitaufwendig sein und die eigene Konzentration abbrechen kann.«

Anthony Burrill: Make it Now! Creative inspiration and the art of getting things done, London: Virgin Books 2017, S. 116 (von mir übersetzt, Original: »I try to check mine three times a day and have short answering sessions rather than be online all day firing emails back and forth, which can be very time wasting and break your concentration.«)

Für mich erscheint diese Handhabung als ein guter Kompromiss.

Grundsätzlich verbringen viele kreativ Arbeitenden sowieso viel zu viel Zeit am Computer. Durch das einseitige Denken und Arbeiten geht sehr viel Kreativität verloren, und heraus kommt oft ein Einheitsbrei, den man an vielen Stellen auf ähnliche Weise schon gesehen hat. Thomas und Martin Poschauko schreiben in Nea Machina:

»Wir sollten als Designer für die reale Welt gestalten, befinden uns aber als hauptamtliche Computerarbeiter ständig in einer virtuellen Umgebung, die anderen Gesetzmäßigkeiten folgt als die Realität.«

Thomas Poschauko und Martin Poschauko: Nea Machina. Die Kreativitätsmaschine. Next Edition, Mainz: Verlag Hermann Schmidt 2013, S. 61

Sie ermutigen dazu, wieder mehr von Hand zu machen, zu zeichnen, zu basteln und mit Materialien aus der freien Natur zu experimentieren. 

Anthony Burrill sieht das ganz ähnlich.

»Ich mag es, so oft wie möglich vom Computer wegzukommen«, schreibt er, »und ich finde das Arbeiten mit analogen Techniken sehr befriedigend. Es ist mehr Seele in Druckfarbe und Papier als in einem Mikroprozessor.«

Burrill 2017, S. 108 (von mir übersetzt, Original: »I like to get away from the computer as much as I find working with analogue techniques very satisfying, there’s more soul in ink and paper than there is in a microprocessor.«)

Das regelmäßige Verlassen des Computers und das Experimentieren mit realem Material fördert die Kreativität, gibt dem Kopf (und den Augen) immer wieder die Möglichkeit, sich zu erholen, und begünstigt dadurch die Umstände für einen Moment der Inspiration.

Um unsere Webseite für dich optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhältst du in unserer Datenschutzerklärung.