Dieser Text ist Teil der Diplomarbeit von Benjamin Wurster »Über Inspiration. Anregungen und Gedanken«. Alle Texte dieses Projektes werden unter der Kategorie Diploma veröffentlicht. Wer einen Überblick über die gesamte Arbeit bekommen möchte, beginnt man am besten beim Vorwort. Dieser Text gehört zum dritten Kapitel: Einfluss.

Auch Bücher waren schon immer und sind weiterhin eine sehr beliebte Quelle für Inspiration durch Reize. Unsere Fantasie ist bei kaum einer anderen Freizeitbeschäftigung so aktiv wie beim Lesen von Büchern, im Besonderen beim Lesen von Romanen. Ganze Gedankenkonstrukte türmen sich auf, und Protagonisten werden mit Gesichtern und speziellen Eigenschaften ausgestattet. Sind die Beschreibungen der Autoren noch so detailliert und ausgearbeitet, die Charaktere sehen doch in der Vorstellungskraft jedes einzelnen anders aus. Nichts ist wirklich vorgegeben, alles entspringt der eigenen Fantasie. Auch Stieg Larsson ließ sich von den Geschichten und Erzählungen anderer Schriftsteller für seine eigene Arbeit inspirieren.

»Zur Vorbereitung soll er ganze Wagenladungen an Romanen verschlungen haben«, schreibt Arno Frank über den schwedischen Bestsellerautor. »Die Hauptcharaktere entlehnte er kurzerhand bei Astrid Lindgrens Figuren Pippi Langstrumpf und Kalle Blomquist.«

Mason Currey und Arno Frank: Mehr Musenküsse. Die täglichen Rituale berühmter Künstler, Zürich / Berlin: Kein & Aber AG 2015, S. 81

Aber nicht nur Romane, auch das Lesen von Fachliteratur bietet vieles, was zu neuen Ideen reizen kann. Bücher innerhalb des eigenen Tätigkeitsbereichs können gute Anstöße und Anregungen liefern, aber gerade auch fachfremde Literatur inspiriert zu wirklich neuartigen Ansätzen. Wenn man sich als Grafikdesigner mit der Architektur der Nationalsozialisten auseinandersetzt, oder wenn man sich als Koch mit der Mode der fünfziger Jahre beschäftigt, kann etwas sehr Originelles entstehen. Man muss nur – wie immer – abschätzen können, wann es zu viel des Guten wird. Arno Frank schreibt über Susan Sontag:

»Um in Stimmung zu kommen, las die Schriftstellerin und Publizistin akademische Bücher über vorzugsweise kunsthistorische Themen – bis zu einem gewissen Punkt. Dann verbat sie sich das Lesen […], weil sie das rastlos und tatendurstig machte.«

Currey / Frank 2015, S. 161

Auch das Lesen von Magazinen sei in diesem Zusammenhang erwähnt und empfohlen, da sie, im Vergleich zu Büchern, in ihrer Aktualität eindeutig die Nase vorne haben. Magazine erscheinen im Normalfall in regelmäßigen Abständen und können dadurch auf aktuelle Trends und Entwicklungen eingehen.

Seit nun schon ein paar Jahren gibt es zusätzlich zum gedruckten Buch verstärkt sogenannte E-Books und Tablet-PCs, also mobile Endgeräte, auf denen ebenso Buchinhalte, Magazine und Zeitungen gelesen werden können. Bei all den Vorteilen, die diese Geräte haben, wird das Erlebnis des Lesens dadurch trotzdem sehr eindimensional. Die Gestaltung des Buchumschlags, die Haptik des Papiers, der Satz der Leseschrift und der Geruch der Druckerschwärze treten in den Hintergrund oder fallen komplett weg, und das Objekt Buch wird allein auf seinen Inhalt reduziert. Das Buch verliert dadurch einen zusätzlichen Reiz, der ebenfalls inspirierend und anregend wirken kann. Auch der Mathematik- und Wissenschaftshistoriker Eberhard Knobloch genießt es immer noch, ein gedrucktes Buch zu lesen.

»Das Aufblättern eines Bandes, der Geruch von Papier und Druck, das sinnliche Erlebnis, ein Buch in den Händen zu halten, wecken in mir Neugierde und frohe Vorgefühle auf geistigen Genuss und Belehrung, die die eigenen Gedanken in zuverlässiger Weise inspirieren«, schreibt er.

Eberhard Knobloch: Bibliothek, in: Christoph Markschies und Ernst Osterkamp (Hg.): Vademekum der Inspirationsmittel, Göttingen: Wallstein Verlag 2012, S. 33

Aus diesem Grund soll auch dieses Buch als Objekt etwas Besonderes bleiben und wird deshalb nicht als E-Book erscheinen. Mit dem Bewusstsein im Hinterkopf, dass die technische Entwicklung stetig fortschreitet, und auch im Hinblick auf den folgenden Abschnitt möchte ich noch vier Worte loswerden, die dem Grafiker in mir in diesem Zusammenhang auf der Seele brennen: Print Is Not Dead!

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