Dieser Text ist Teil der Diplomarbeit von Benjamin Wurster »Über Inspiration. Anregungen und Gedanken«. Alle Texte dieses Projektes werden unter der Kategorie Diploma veröffentlicht. Wer einen Überblick über die gesamte Arbeit bekommen möchte, beginnt man am besten beim Vorwort. Dieser Text gehört zum siebten Kapitel: Tun.

Bei der Wahl des Arbeitsplatzes und seiner Umgebung gibt es zwei Extreme unter kreativ Arbeitenden. Die einen lieben es, möglichst viele Dinge um sich herum zu haben, die sie visuell und emotional reizen und beeinflussen. Andere wiederum versuchen, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sie so wenig Ablenkung wie möglich ausgesetzt sind; Sie bevorzugen eher weiße Wände, aufgeräumte Schreibtische und absolute Ruhe zum Arbeiten. Beide Varianten, so unterschiedlich sie auch sind, können jeweils gute Grundlagen für inspiriertes Arbeiten schaffen, im ersten Fall ist Inspiration von außen wahrscheinlicher und im zweiten eben Inspiration von oben oder von innen. Im Idealfall wird ein gutes Mittelmaß gefunden, um allen Arten von Inspiration eine Chance zu geben. Letztlich bleibt die Entscheidung aber immer auch Geschmacksache.

»Für uns persönlich ist es wichtig, in unserer Arbeitsumgebung viele inspirierende Dinge um uns zu haben«, schreiben Thomas und Martin Poschauko, »Skizzen an den Wänden, allerhand inspirierende Fundstücke und Gegenstände, unsere Lieblingsmusik während der Arbeit, die Nähe zur Natur sowie viele Dinge, die mit unserem Beruf eigentlich gar nichts zu tun haben, aber für uns persönlich von Bedeutung sind.«

Thomas Poschauko und Martin Poschauko: Nea Machina. Die Kreativitätsmaschine. Next Edition, Mainz: Verlag Hermann Schmidt 2013, S. 197

Äußerliche Ablenkungen zu minimieren, kann auf unterschiedliche Art und Weise geschehen. Manche haben zuhause ihr Arbeitszimmer und sind nur dort produktiv, andere können gerade in der vertrauten Umgebung nicht kreativ werden, da es dort Ablenkung in Form von Hausarbeit oder Ähnlichem gibt. Das Arbeiten in Cafés und sogenannten Coworking Spaces wird in Zeiten von immer schneller werdenden Internetverbindungen zunehmend beliebter und schafft neue Möglichkeiten, kreative Arbeit von überall auf der Welt leisten zu können und nicht mehr an Arbeitszimmer, Studios und Ateliers gebunden zu sein. Wie verschiedene Schriftsteller mit der Wahl ihres Arbeitsplatzes in der Vergangenheit umgegangen sind, beziehungsweise wie sie heute noch damit umgehen, sehen wir in den folgenden vier Beispielen. 

Der US-amerikanische Schriftsteller Stephen King schreibt:

»Wie Ihr Schlafzimmer auch, so sollte Ihr Schreibzimmer ein privater Ort sein, ein Ort, an dem Sie träumen können.«

Zitiert in Mason Currey: Musenküsse. Die täglichen Rituale berühmter Künstler, Zürich / Berlin: Kein & Aber AG 2014, S. 126

Der deutsche Schriftsteller Martin Walser verfasst seine Texte ebenfalls nur in gewohnter Umgebung, wie er in den 1960er-Jahren einem Kollegen erklärte:

»Ich arbeite nur am eigenen Schreibtisch im eigenen Arbeitszimmer. In jeder anderen Umgebung bin ich vollkommen unfähig zur Arbeit. […] In einem fremden Raum (in einem Hotelzimmer zum Beispiel) kennt man die Gegenstände nicht, sie erregen die Aufmerksamkeit, lenken einen ab, fremde Stühle scharren mit den Füßen, bis man wieder hinschaut, schon ist man gestört. Die Stühle zu Hause benehmen sich nicht aufdringlich. Mit ihnen hat man seine Ruhe. Sie sind ein Bestandteil der Ruhe, die zur Arbeit nötig ist.« 

Zitiert in Mason Currey und Arno Frank: Mehr Musenküsse. Die täglichen Rituale berühmter Künstler, Zürich / Berlin: Kein & Aber AG 2015, S. 114

»Ich nehme mir zum Arbeiten ein Hotelzimmer«, berichtete dagegen die US-amerikanische Schriftstellerin Maya Angelou 1983 in einem Interview, »einen winzigen, unwirtlichen Raum, in dem es nur ein Bett gibt und nach Möglichkeit ein Waschbecken. Ich habe ein Wörterbuch, eine Bibel, einen Satz Karten und eine Flasche Sherry auf dem Zimmer.«

Zitiert in Currey / Frank 2015, S. 140

Und auch der britische Graham Greene ging zum Arbeiten aus dem Haus, wobei er immer an den gleichen Ort ging.

»Um den häuslichen Ablenkungen zu entkommen, mietete Greene sich eine kleine Wohnung, deren Adresse und Telefonnummer nur seine Frau kannte«, schreibt Mason Currey über den Schriftsteller in Mehr Musenküsse.

Currey / Frank 2015, S. 178

Der Philosoph Julian Nina-Rümelin erklärt in seinem Essay Diktiergerät, wie wichtig ihm sein elektrischer Apparat sei, da er seine Bücher immer von unterwegs aus schreibe.

»Keines meiner Bücher, das ich in der vergangenen Dekade abgefasst habe, ist am Schreibtisch entstanden. Die Schreibtischatmosphäre mit einem dienstlichen Telefon, das in regelmäßigen Abständen klingelt, einer Bürotür, die nicht lange geschlossen bleibt, inspiriert mich nicht zu philosophischer Kreativität. Als günstig für das Abfassen philosophischer Texte hat sich eine größere mentale und lokale Distanz zu administrativen Pflichten erwiesen«, schreibt Nina-Rümelin.

Julian Nida-Rümelin: Diktiergerät, in: Christoph Markschies und Ernst Osterkamp (Hg.): Vademekum der Inspirationsmittel, Göttingen: Wallstein Verlag 2012, S. 45

Wahrscheinlich muss hier jeder selbst seinen Weg finden.

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